Pike-Anwälte: Warnungen vor beschädigten Venen vor Hinrichtung ignoriert

Die gescheiterte Hinrichtung von Christa Pike im US-Bundesstaat Tennessee wirft weitere Fragen auf. Nach Angaben ihrer Anwälte warnten Mitarbeiter bereits vor der Verabreichung der Giftinjektionen vor möglichen Problemen mit den Venen.

In vor Gericht eingereichten Angaben heißt es demnach, das für die Infusion zuständige Personal habe mit etwa zehn Nadeln an beiden Armen versucht, Zugänge zu legen. Die Suche nach einer Vene habe sich über fast eine Stunde hingezogen, zitierte der „Guardian“ die Angaben eines Anwalts.

Mehrfach gingen die Mitarbeiter offenbar davon aus, eine Vene gefunden zu haben. Anschließend stellte sich jedoch heraus, dass dies nicht der Fall war. Eine Nadel schien nach dem Herausziehen stark verbogen gewesen zu sein. Zudem äußerten Mitarbeiter wiederholt die Vermutung, dass Venen beschädigt worden seien.

Trotz der Schwierigkeiten wurden Pike nach Angaben ihrer Anwälte beide vorgesehenen Injektionen verabreicht. Zunächst erhielt sie das Gift Pentobarbital. Als die erste Dosis nicht zum Tod führte, wurde ihr entsprechend der Vorschrift eine zweite Dosis gegeben.

„Ich habe das Gefühl, mein Arm wird gleich platzen“, soll Pike nach den Angaben gesagt haben. Außerdem habe sie erklärt: „Es brennt.“

Als Pike in ein Krankenhaus gebracht wurde, waren ihre Arme den Anwälten zufolge geschwollen und mit Blasen übersät. Experten hatten bereits nach dem Hinrichtungsversuch vermutet, dass das Gift in das umliegende Gewebe statt in den Blutkreislauf gelangt sein könnte. Dieser Umstand könnte erklären, warum die 50-Jährige den Versuch überlebte.

Die Hinrichtung hatte auch deshalb für Aufsehen gesorgt, weil Pike die erste Frau seit mehr als 200 Jahren gewesen wäre, die im Bundesstaat Tennessee hingerichtet worden wäre. Nach Angaben des Death Penalty Information Center ist aus der jüngeren US-Geschichte kein vergleichbarer Fall bekannt, bei dem Hinrichtungsmedikamente verabreicht wurden und die verurteilte Person weiterlebte.

Rund anderthalb Wochen nach dem Hinrichtungsversuch konnte Pike das Krankenhaus verlassen. Sie befindet sich nun wieder in dem Gefängnis, in dem sie seit rund drei Jahrzehnten inhaftiert ist.

Pike war 1996 wegen des Mordes an der damals 19-jährigen Colleen Slemmer zum Tode verurteilt worden. Slemmer war 1995 in einem abgelegenen Gebiet nahe Knoxville über längere Zeit gefoltert und anschließend getötet worden. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt.


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