Der menschengemachte Klimawandel hat den natürlichen Zyklus des Laurentidischen Eisschilds in Nordamerika offenbar vorzeitig unterbrochen. Das zeigt eine Analyse, die im Fachjournal „Science“ veröffentlicht wurde.
Der Laurentidische Eisschild bedeckte auf dem Höhepunkt der vorigen Eiszeit vor rund 20.000 Jahren fast ein Drittel Nordamerikas. Dazu gehörte der größte Teil des heutigen Kanada. Anschließend schrumpfte der Eispanzer und erreichte vor etwa 3.600 Jahren sein bisheriges Minimum.
Vor ungefähr 2.000 Jahren begann der Eisschild nach Angaben der Forschenden wieder zu wachsen. Diese Entwicklung setzte sich bis etwa 1960 fort. Danach zog sich der Eisrand bis 2022 um etwa 200 bis 800 Meter zurück. Als wesentliche Ursache nennen die Forschenden deutlich gestiegene Sommertemperaturen infolge der vom Menschen ausgestoßenen Treibhausgase.
Für die Rekonstruktion der Entwicklung untersuchte das Forschungsteam die Umgebung der Barnes Ice Cap auf der Baffininsel im Nordosten Kanadas. Die rund 6.000 Quadratkilometer große Eiskappe gilt als Überrest des einst mächtigen Eisschilds. In ihr sind Eisschichten unterschiedlichen Alters erhalten.
Zusätzlich analysierten die Forschenden Felsen in der Region. Dabei nutzten sie unter anderem das seltene Beryllium-Isotop 10. Weil dieses Isotop unter kosmischer Strahlung zerfällt, lässt sich daraus ableiten, wann sich der Eispanzer zurückgezogen hatte. Das Kohlenstoff-Isotop 14 lieferte Hinweise darauf, wann die Vegetation wieder von Eis bedeckt wurde.
Die Studie liefert nach Einschätzung des Geowissenschaftlers Shaun Marcott von der University of Wisconsin in Madison einen Richtwert dafür, wie Eisschilde auf Veränderungen der Sommertemperaturen reagieren. Marcott war nicht an der Untersuchung beteiligt. Die Ergebnisse zeigten, wie schnell ein Gletscher auf solche Veränderungen reagieren könne.
Nach Einschätzung des Forschungsteams ist eine Rückkehr zu glazialen Bedingungen äußerst unwahrscheinlich, solange die atmosphärischen CO2-Konzentrationen weiter steigen. Die Untersuchung deutet damit darauf hin, dass der menschliche Einfluss inzwischen die natürliche Dynamik des Erdklimas überlagert.

Schreibe einen Kommentar