Nico Lange: Russland erzielt an der Front in diesem Jahr keinen Erfolg

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Der Ukraine-Experte Nico Lange sieht trotz der schwierigen Lage für die Ukraine keinen militärischen Erfolg Russlands an der Front in diesem Jahr. Im Interview mit ntv sagte Lange, die Situation für die ukrainischen Streitkräfte sei dort vergleichsweise gut. Von einer Niederlage der Ukraine könne keine Rede sein.

Die Ukraine steht nach seiner Einschätzung dennoch erheblich unter Druck. Besonders problematisch sei der Mangel an Munition für die Luftabwehr. Die Zahl der Angriffe übersteige die verfügbaren Abwehrmöglichkeiten. Weltweit würden mehr ballistische Raketen produziert als Abwehrraketen gegen diese Waffen.

Lange verwies darauf, dass sich noch Patriot-Lenkflugkörper in Polen, Deutschland, Griechenland und Spanien befänden. Europa müsse sich daher fragen, warum diese Munition nicht an die Ukraine geliefert werde. Langfristig sei zudem ein Ausbau der europäischen Produktion notwendig. Kurzfristig löse das Problem jedoch nicht.

Die ukrainische Luftverteidigung sei nicht in allen Bereichen gleichermaßen geschwächt, sagte Lange. Die Abwehr von Drohnen und Marschflugkörpern funktioniere weiterhin gut. Zudem sprach er sich dafür aus, die Luftverteidigung an der europäischen Ostflanke stärker mit der ukrainischen Drohnenabwehr zu verbinden.

Nach Einschätzung des Ukraine-Experten setzt die US-Regierung unter Donald Trump darauf, den Krieg zu beenden, indem sie sich auf die russische Seite schlage und Druck auf die Ukraine ausübe. Dies sei weder ein verlässlicher Weg zu einem Waffenstillstand noch zu einem dauerhaften Frieden. Trump könne man nicht vertrauen.

Europa müsse deshalb eine eigene Strategie entwickeln und Russland gemeinsam zu einem Waffenstillstand drängen, forderte Lange. Er verwies dabei auch auf Gespräche über eine sogenannte Energie-Waffenruhe. Die bisherigen Verhandlungen über einen Waffenstillstand seien zunächst konstruktiv gewesen, ihre Position sei jedoch durch Trumps Vorgehen geschwächt worden.

Lange widersprach außerdem der Vorstellung, ausschließlich die Ukraine stehe unter Druck. Seiner Darstellung zufolge führen ukrainische Drohnen häufiger Angriffe auf Ziele in Russland durch als russische Drohnen auf Ziele in der Ukraine. Der Druck auf Russland betreffe neben Raffinerien auch andere Teile des Energiesektors und der Wirtschaft.

Ein großes Friedensabkommen hält Lange für wenig wahrscheinlich. Bei einem sektoralen Waffenstillstand sieht er dagegen Anlass zur Hoffnung. Dadurch könnte der Krieg in eine andere Phase eintreten, etwa ohne weitreichende Angriffe auf zivile Ziele.

Auch ohne US-Geheimdienstinformationen oder den Satellitenkommunikationsdienst Starlink würde die Ukraine den Abwehrkampf nach Langes Einschätzung fortsetzen können. Das wäre für das Land zwar ein großes Problem, aber keine unmittelbare Niederlage. Einen erheblichen Teil des Bedarfs für die Kämpfe an der Front produziere die Ukraine selbst.

Eine genaue Einschätzung möglicher Fluchtbewegungen sei nicht möglich, sagte Lange. Sollte die ukrainische Landwirtschaft, Logistik und der Exportsektor durch ausbleibende Ausfuhren über das Schwarze Meer zusammenbrechen, könnten mehrere Millionen Menschen ihre Zukunft anderswo suchen. Städte im Westen der Ukraine wie Iwano-Frankiwsk, Lwiw und Uschgorod seien bereits überfüllt.

Mit Blick auf Russland zeigte sich Lange skeptisch, dass sich Präsident Wladimir Putin mit den bisher eroberten Gebieten zufriedengeben würde. Putin wolle Europa insgesamt umgestalten und sei bereit, dafür militärische Gewalt einzusetzen. Deshalb müsse es darum gehen, Russland einzuhegen, statt auf weitere Forderungen einzugehen.


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