Das umstrittene Seilbahnprojekt zur Klagemauer in Jerusalem verliert einen weiteren ausländischen Partner. Das Südtiroler Planungs- und Ingenieurbüro Ropes zieht sich nach einem Bericht der israelischen Zeitung Haaretz aus dem Vorhaben zurück. Als Grund nannte das Unternehmen fehlende Kapazitäten.
Damit verliert das Projekt den fünften internationalen Partner. Zuvor hatten sich laut Haaretz bereits drei französische und ein schweizerisches Unternehmen zurückgezogen. Sie verwiesen teilweise auf die heiklen politischen Umstände rund um das Vorhaben.
Nach den Plänen soll die Seilbahn von einer Station im Westen Jerusalems über eine Strecke von 1,4 Kilometern in die Altstadt führen. Die Endstation ist nahe der Klagemauer im Osten der Stadt vorgesehen. Außerdem soll die Bahn Westjerusalem mit einem geplanten Touristenkomplex von 16.000 Quadratmetern verbinden.
Das Projekt wurde von der israelischen Regierung 2019 genehmigt. 2022 bestätigte das Oberste Gericht die Genehmigung. Der geplante Touristenkomplex wird von der Siedlerorganisation Elad gefördert. Ihr Ziel ist es laut den vorliegenden Angaben, die israelische Kontrolle über palästinensische Gebiete im besetzten Ostjerusalem zu festigen.
Der Bau der Seilbahn ist politisch und gesellschaftlich stark umstritten. Der Status Jerusalems gehört zu den zentralen Streitpunkten des Nahostkonflikts. Israel betrachtet Jerusalem als unteilbare Hauptstadt. Die Palästinenser beanspruchen den Ostteil der Stadt als Hauptstadt eines künftigen Palästinenserstaates.
Ostjerusalem wurde im Juni 1967 von Israel erobert und besetzt. Israel annektierte das Gebiet 1980 formal. Die internationale Gemeinschaft erkennt diese Annexion nicht an; nach dem Völkerrecht gilt Ostjerusalem weiterhin als besetzt.
Infrastrukturprojekte israelischer Behörden in Ostjerusalem stoßen regelmäßig auf Kritik der Palästinenser und der internationalen Gemeinschaft. Nach Angaben der israelischen Nichtregierungsorganisation Emek Shaveh hat die Jerusalemer Entwicklungsbehörde die Pläne zuletzt wieder vorangetrieben. Die Organisation warnt vor möglichen Auswirkungen auf palästinensische Gemeinschaften und die historische Landschaft der Jerusalemer Altstadt.
Emek Shaveh zufolge diene das Vorhaben vor allem dazu, den Einfluss der Siedler zu stärken und Palästinenser aus dem historischen Becken zu verdrängen. Der britische Guardian berichtete unter Berufung auf Menschenrechtsorganisationen, dass 54 palästinensische Häuser entlang der Strecke unmittelbar von Enteignung bedroht seien.
Auch Kulturerbe- und Umweltgruppen kritisieren das Projekt. Alon Arad, Geschäftsführer von Emek Shaveh, erklärte dem Guardian, die Seilbahn widerspreche dem historischen Grundsatz, wonach rund um die Altstadt keine großen Gebäude oder Infrastruktur errichtet werden sollten.
Die Jerusalemer Entwicklungsbehörde teilte Haaretz mit, das Projekt verlaufe planmäßig. In den kommenden Monaten werde voraussichtlich eine Ausschreibung erfolgen. Die erneute Debatte fällt in eine Zeit zunehmender Siedlergewalt im Westjordanland. Während der Olivenernte wurden palästinensische Dörfer angegriffen, Autos und Bäume angezündet und eine Fotografin der Washington Post verletzt. Kurz darauf kam es zudem zu Angriffen auf europäische Diplomaten und palästinensische Olivenpflücker.

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