Die Berliner Charité hat ihre Website vorsorglich abgeschaltet. Hintergrund sind zwei schwere Sicherheitslücken in der weitverbreiteten Programmiersprache PHP, die nach Einschätzung von Sicherheitsexperten für Angriffe auf Webseiten genutzt werden könnten.
Bundesweit nahmen am Mittwoch zahlreiche Behörden, Universitäten und Krankenhäuser ihre Internetangebote vorübergehend vom Netz. Betroffen waren unter anderem Landesregierungen, Städte und weitere öffentliche Einrichtungen.
Nach Angaben des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) besteht die Gefahr einer größeren Angriffswelle. BSI-Vizepräsident Thomas Caspers hält es für wahrscheinlich, dass Kriminelle die Lücken wenige Stunden nach der Veröffentlichung der Sicherheitsupdates großflächig ausnutzen könnten. Mithilfe künstlicher Intelligenz könnten Angreifer die Updates schnell untersuchen und neue Angriffsmethoden entwickeln.
Auch in mehreren deutschen Städten und Ländern wurden Online-Angebote abgeschaltet. Mainz nahm sein Internetportal und weitere digitale Dienste vom Netz, Dresden schaltete städtische Internetseiten ab. In Hessen waren das Landesportal und Seiten von Ministerien betroffen. Auch Regierungsseiten in Bayern und Baden-Württemberg wurden abgeschaltet.
In Thüringen gingen unter anderem die Webseiten der Staatskanzlei, mehrerer Ministerien, von Behörden und der Landespolizei offline. Auch die Universitätskliniken in Freiburg, Heidelberg und Mannheim reagierten. Die Universität Freiburg schaltete zentrale Online-Dienste ab, während die Ruhr-Universität Bochum ihre Webseiten für Zugriffe von außerhalb des Universitätsnetzes sperrte.
Auch im europäischen Ausland kam es zu Vorsichtsmaßnahmen. In Finnland wurden öffentliche Regierungsdienste ausgesetzt. In den Niederlanden waren die Webseiten der nationalen Cybersicherheitsbehörde, des staatlichen Gesundheitsinstituts und des Parlaments zeitweise nicht erreichbar.
Die Sicherheitslücken sollen bereits seit mehr als zehn Jahren bestanden haben. Sicherheitsforscher entdeckten sie mithilfe künstlicher Intelligenz. Nach Angaben von OpenAI fand das Sicherheitsunternehmen Calif eine der Schwachstellen mit einem KI-Modell. Das Unternehmen Wiz entdeckte unabhängig davon beide Lücken.
Die PHP-Entwickler haben inzwischen vier Notfall-Updates veröffentlicht, die die Fehler schließen sollen. Betreiber betroffener Webseiten müssen diese jedoch zunächst installieren. Bis dahin können gefährdete Internetangebote vorsorglich abgeschaltet bleiben. Für normale Internetnutzer besteht laut den vorliegenden Informationen zunächst kein direkter Handlungsbedarf, da sich die Fehler auf Webservern befinden und nicht auf eigenen Smartphones oder Computern.

Schreibe einen Kommentar