Russischer Offizier soll Ukraine Informationen für Angriffe auf eigene Brigade geliefert haben

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Ein russischer Offizier soll der Ukraine monatelang Informationen über die eigenen Truppen übermittelt haben. Nach Recherchen des „Wall Street Journal“ (WSJ) könnten dadurch mehr als 300 russische Soldaten getötet worden sein. Unabhängig überprüfen lassen sich die Angaben nicht.

Im Mittelpunkt des Berichts steht der 26-jährige Lew Stupnikow. Er war für Kommunikation und Funkverbindungen in einem russischen Bataillon zuständig. Nach Angaben des WSJ gab er der Ukraine unter anderem Stellungen, Funkfrequenzen, Truppenbewegungen und Einsatzpläne weiter. Zudem soll er an mehreren Sabotageaktionen beteiligt gewesen sein.

Ein besonders folgenreicher Angriff ereignete sich demnach im Februar 2024. Russische Soldaten sollen in der Ostukraine auf einem Feld für eine Offensive auf Wuhledar trainiert haben. Als mehrere hochrangige Offiziere die Übung beobachteten, habe Stupnikow die Koordinaten an einen ukrainischen Kontaktmann übermittelt.

Bei dem anschließenden ukrainischen Raketenangriff seien laut der von dem WSJ rekonstruierten Darstellung 68 Menschen getötet und 60 weitere verletzt worden. Unter den Toten sollen sich zehn Offiziere und der Brigadekommandeur befunden haben. Das WSJ bezeichnete den Angriff als einen der verlustreichsten Einzelschläge der ukrainischen Armee seit Beginn der russischen Invasion.

Auch bei weiteren Angriffen soll Stupnikow Informationen geliefert haben. Im März 2024 seien bei einem Brigadetreffen mehrere Offiziere getötet worden. Im Mai sei ein ehemaliges Hotel getroffen worden, in dessen Keller zwei Sturmeinheiten untergebracht gewesen seien. Dabei sollen 20 Männer ums Leben gekommen sein.

Mit zunehmendem Erfolg seiner Sabotageaktionen wuchs laut Bericht der Verdacht in seinem Bataillon. Ein Kommandeur habe vor versammelter Mannschaft von einem möglichen Maulwurf gesprochen und Stupnikow dabei angesehen. Nach einer Kontrolle der Mobiltelefone durch den russischen Inlandsgeheimdienst FSB habe der Offizier sein belastendes Telefon im Garten vergraben.

Einmal habe Stupnikow versehentlich die Koordinaten seines eigenen Kellerquartiers statt des neuen Brigadestabs übermittelt. Das Gebäude sei kurz darauf getroffen worden, er habe den Angriff knapp überlebt.

Der Kontakt zur Ukraine sei im Februar 2024 über seine Mutter zustande gekommen. Sie habe den ukrainischen Blogger Dmytro Karpenko um Hilfe bei einer Desertion gebeten. Stupnikow habe sich anschließend selbst bei Karpenko gemeldet. Geld für Informationen habe er abgelehnt.

Anfang Juli 2024 soll Stupnikow schließlich über die Frontlinie in die Ukraine gelangt sein. Eine ukrainische Drohne habe ihn durch vermintes Gelände geführt. Den ukrainischen Soldaten habe er ein Smartphone mit Zugangsdaten übergeben, über die sie monatelang auf Live-Bilder russischer Drohnen und Überwachungskameras zugreifen konnten.

Stupnikow schloss sich dem „Russischen Freiwilligenkorps“ an und kämpft nach Angaben des WSJ inzwischen als Kommunikationsspezialist gegen die Brigade, die er verlassen hat. Seine Ehefrau blieb in Russland und bezeichnete sein Handeln gegenüber dem Staatssender RT als Verrat. Seine Mutter und seine Schwester seien 2025 aus Russland ausgereist und befänden sich inzwischen ebenfalls in der Ukraine.


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