In mehreren europäischen Ländern kommt es derzeit zu Großdemonstrationen und teils gewaltsamen Ausschreitungen. Die Proteste richten sich unter anderem gegen hohe Lebenshaltungskosten, steigende Bildungsausgaben, Wohnungsnot und die Politik der jeweiligen Regierungen.
In Frankreich dauern die Proteste seit Wochen an. Ursprünglich gingen Schüler wegen Lehrermangels und schlechter Lernbedingungen auf die Straße und blockierten Schulen. Inzwischen richten sich die Demonstrationen auch gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die politische Führung.
In den vergangenen Tagen kam es in mehreren französischen Städten zu schweren Ausschreitungen. In Limoges setzten Demonstranten am Wochenende das Rathaus in Brand, woraufhin das Gebäude einstürzte. Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten wurden zahlreiche Menschen verletzt, darunter auch Jugendliche. Außerdem kam es zu Plünderungen. Ministerpräsident Sébastien Lecornu kündigte lokale Ausgangssperren an.
Auch in Italien gab es Proteste und Ausschreitungen. In Rom demonstrierten zunächst Tausende Studierende gegen die Regierungspolitik. In mehreren norditalienischen Städten, darunter Mailand, Bologna, Brescia, Bergamo und Turin, richteten sich die Proteste vor allem gegen die hohen Lebenshaltungskosten.
In Mailand plünderten Demonstranten Geschäfte und bewarfen Polizisten mit Steinen. Nach Angaben der Polizei wurden mehr als 270 Jugendliche und junge Erwachsene festgenommen. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verurteilte die Gewalt und kündigte eine Regierungssitzung an.
In Belgien hatten Studentengruppen zu Kundgebungen gegen steigende Bildungskosten und mögliche Reformen beim Hochschulzugang aufgerufen. In mehreren Städten kam es zu Ausschreitungen. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Innenminister Bernard Quintin kündigte an, alle notwendigen Mittel zur Wiederherstellung der Ordnung einzusetzen.
In Portugal demonstrierten in Lissabon Tausende gegen gestiegene Lebenshaltungskosten und die Wohnungskrise. Die größte Gewerkschaft des Landes hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Nach ihren Angaben nahmen mehrere Zehntausend Menschen teil, während die Polizei keine Schätzung abgab. Zuvor hatte die Polizei in Porto ein Zeltlager von Aktivisten zum Thema Wohnraum geräumt.
In Spanien richtet sich eine anhaltende Protestwelle gegen hohe Mieten und Wohnungsnot. Sie gewann Ende September an Dynamik, nachdem die Wohnung einer 87-jährigen Frau in Madrid zwangsgeräumt worden war. Am 3. Oktober gab es Demonstrationen in mehr als 50 Städten.
Die Proteste haben in Spanien bereits politische Folgen. Nachdem das Parlament Maßnahmen zum Mieterschutz und zur Verhinderung von Zwangsräumungen abgelehnt hatte, kündigte Regierungschef Pedro Sánchez vorgezogene Neuwahlen an. Zudem weiteten sich die Proteste auf den Bildungsbereich aus. In Madrid kam es bei Demonstrationen streikender Lehrer zu Zusammenstößen mit der Polizei.
Auch in Albanien gehen die Menschen seit Tagen auf die Straße. Zunächst protestierten sie gegen schlechte Studienbedingungen und hohe Studiengebühren. Inzwischen wird der Rücktritt der Regierung von Ministerpräsident Edi Rama gefordert.
Am Samstag kam es dort zu den bislang schwersten Ausschreitungen. Mehrere Gebäude, darunter ein Gericht, Banken und eine Post, wurden in Brand gesetzt oder stark beschädigt. Die Polizei setzte erstmals Gummigeschosse ein. Die Regierung steht seit Ende Mai wiederholt unter Druck. Auslöser waren Pläne für ein Luxushotelprojekt in einem Naturschutzgebiet, die wegen Korruptionsvorwürfen und mangelnder Transparenz kritisiert werden.

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