Rund vier Monate nach dem tödlichen Schusswaffenangriff ist das Mutter-Kind-Haus in Stade wiedereröffnet worden. Bei der Tat Ende Juni waren sechs Menschen erschossen worden, darunter drei Mitarbeitende der Einrichtung.
Die neue Geschäftsführerin ist Kiara Lindner. Ihre Mutter Ilka Lindner gehörte zu den Opfern. Sie hatte die Gesellschaft hinter dem Haus 1999 gegründet.
„Meine Mutter gibt mir die Kraft, das weiterzuführen“, sagte die 21-jährige Studentin. Zugleich sei ihr bewusst, dass die Einrichtung mit einem tragischen Ereignis verbunden bleibe. „Das wollen wir nicht verdrängen“, sagte Lindner.
Der Standort wurde vollständig renoviert. Bei der Wiedereröffnung durchschnitten Lindner und der Landrat des Kreises Stade, Kai Seefried (CDU), symbolisch ein rotes Band. Seefried überreichte der neuen Geschäftsführerin außerdem eine Engelsfigur aus Keramik.
Der Raum, in dem sich die Tat ereignete, wird künftig nicht mehr genutzt. Nach Angaben des NDR soll dort ein Archiv entstehen.
In dem Haus leben maximal sieben Mütter mit ihren Kindern. Sie werden rund um die Uhr von 15 Mitarbeitenden betreut. Seit dem Angriff habe niemand aus dem Team gekündigt, sagte die pädagogische Leiterin Vanessa Stabel. Die Haltung sei „jetzt erst recht“ gewesen. Das Team werde weiterhin therapeutisch unterstützt.
Nach der Tat wurde das Schutzkonzept der Einrichtung überarbeitet. Der Angreifer war mit einer Waffe ungehindert in das Haus gelangt. Welche Maßnahmen nun verändert wurden, wird aus Sicherheitsgründen nicht mitgeteilt.
Der 45 Jahre alte Schütze war der Vater eines drei Monate alten Mädchens, das mit seiner Mutter in der Einrichtung untergebracht war. Nach seiner Festnahme kam der Mann in Untersuchungshaft. Drei Wochen später wurde er tot in der Justizvollzugsanstalt Bremervörde gefunden.
Den Eltern war das Sorgerecht entzogen worden, nachdem das Baby infolge eines Schütteltraumas eine Hirnblutung erlitten hatte. Seit der Tat lebt das Kind getrennt von seiner Mutter.

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