Ab welchem Einkommen Menschen in Deutschland als relativ reich gelten, hängt laut einer Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) von der Größe und Zusammensetzung des Haushalts ab. Ein Einkommensrechner des Instituts zeigt, wie das eigene Nettoeinkommen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung einzuordnen ist.
Für einen Single-Haushalt beginnt die relative Einkommensarmut demnach bei weniger als 1450 Euro netto im Monat. Bis 1940 Euro reicht die untere Mittelschicht, bis 3630 Euro die Mittelschicht im engeren Sinne. Die obere Mittelschicht endet bei 6050 Euro. Wer mehr verdient, gilt in dieser Betrachtung als verhältnismäßig reich.
Bei Alleinerziehenden mit einem Kind unter 14 Jahren liegt die Grenze zur relativen Armut bei bis zu 1890 Euro. Die untere Mittelschicht reicht bis 2520 Euro, die Mittelschicht im engeren Sinne bis 4720 Euro und die obere Mittelschicht bis 7860 Euro. Darüber beginnt die relative Reichtumsgrenze.
Für ein kinderloses Paar gilt ein monatliches Nettoeinkommen von bis zu 2180 Euro als verhältnismäßig arm. Bis 2900 Euro reicht die untere Mittelschicht, bis 5440 Euro die Mittelschicht im engeren Sinne und bis 9070 Euro die obere Mittelschicht. Bei einem höheren Einkommen wird das Paar als relativ reich eingestuft.
Bei Paarhaushalten mit Kindern liegen die Schwellen höher. Für ein Paar mit einem Kind unter 14 Jahren beginnt die relative Armut bei weniger als 2610 Euro netto im Monat. Die untere Mittelschicht reicht bis 3480 Euro, die Mittelschicht im engeren Sinne bis 6530 Euro und die obere Mittelschicht bis 10.890 Euro. Darüber gilt der Haushalt als verhältnismäßig reich.
In einem Paarhaushalt mit zwei Kindern unter 14 Jahren liegt die Grenze zur relativen Armut bei bis zu 3050 Euro. Bis 4060 Euro zählt der Haushalt zur unteren Mittelschicht, bis 7620 Euro zur Mittelschicht im engeren Sinne und bis 12.700 Euro zur oberen Mittelschicht. Ein höheres Einkommen wird als eher reich eingestuft.
Grundlage der IW-Auswertung sind Daten der Europäischen Union aus dem Jahr 2024. Der Berechnung liegt ein Median-Nettoeinkommen von 2419 Euro im Monat für einen Alleinstehenden zugrunde. Als relativ arm gilt demnach, wer 60 Prozent dieses Wertes oder weniger zur Verfügung hat. Als vergleichsweise reich wird eingestuft, wer mindestens 250 Prozent erreicht.
Vermögen, Wohneigentum und regionale Unterschiede bei den Lebenshaltungskosten wurden bei der Berechnung nicht berücksichtigt. IW-Ökonomin und Studienautorin Judith Niehues erklärte, viele Menschen unterschätzten, wie hoch ihr Einkommen im Vergleich zur Gesamtbevölkerung liege. Die meisten Menschen würden sich selbst in der Mittelschicht verorten.
Unterdessen sind die Reallöhne in Deutschland zuletzt weiter gestiegen. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes hatten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im zweiten Quartal 1,5 Prozent mehr zur Verfügung als ein Jahr zuvor. Im ersten Quartal hatte der Anstieg bei 1,8 Prozent gelegen. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, ist angesichts einer zuletzt wieder höheren Inflation offen. Die Teuerungsrate stieg, getrieben von hohen Energiepreisen, erstmals seit Ende 2023 wieder über drei Prozent.

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