BlackRock-Chef Larry Fink hält die Stimmung in Deutschland für schlechter, als sie angesichts der wirtschaftlichen Lage sein müsste. Trotz der Krise sieht der Chef des weltweit größten Vermögensverwalters langfristige Chancen für das Land und Europa.
BlackRock investiere seit Jahrzehnten in Deutschland, weil das Unternehmen von den Perspektiven des Landes überzeugt sei, sagte Fink in einem Interview mit dem „Handelsblatt“. Wer an die langfristige Stärke Europas glaube, sei mit dem Dax deutlich besser bedient als mit einem Bankkonto.
Die Risiken seien beherrschbar, erklärte Fink. Entscheidend sei, ob Deutschland den wirtschaftlichen Umbruch bewältigen und das Land erneuern könne. Er glaube daran. Mit einer Schuldenquote von 64 Prozent verfüge Deutschland zudem über den nötigen finanzpolitischen Spielraum – anders als andere Länder.
Finks Aussagen stehen vor dem Hintergrund erheblicher wirtschaftlicher Probleme. Die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer befinden sich in einer tiefen Krise. In kurzer Folge gab es unter anderem eine Gewinnwarnung bei BMW, Berichte über gefährdete Volkswagen-Standorte und angekündigten Stellenabbau bei Bosch.
Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hatte erklärt, die deutsche Wirtschaft breche zusammen. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte zuvor, Deutschland stehe gewaltig unter Druck. Fink widerspricht dieser Einschätzung nicht grundsätzlich. Er verwies jedoch darauf, dass Demokratien immer wieder Phasen der Instabilität durchlebten.
Wer in den vergangenen Jahrzehnten kontinuierlich an den Aktienmärkten investiert habe, habe attraktive Renditen erzielt, sagte Fink dem „Handelsblatt“. Anleger, die aus Angst ausgestiegen seien, hätten dagegen verloren.
Um das Investitionspotenzial Europas besser auszuschöpfen, müssten Genehmigungsverfahren beschleunigt und die Kapitalmarktunion vorangebracht werden. Das werde eine seiner Botschaften beim Investorengipfel der Bundesregierung in Berlin sein, zu dem Fink als Teilnehmer erwartet wird.
Deutschland könne wegen seiner starken Ausbildungskultur gute Voraussetzungen haben, privates Kapital für den Ausbau künstlicher Intelligenz anzuziehen, sagte Fink. Investitionen in KI seien notwendig, damit die Produktivität nicht hinter die anderer Länder zurückfalle. Die KI-Revolution stehe allerdings noch am Anfang.
Trotz der Bedrohung für die deutsche Autoindustrie durch Chinas Exportmacht kommt Fink insgesamt zu einem positiven Urteil: Deutschland biete große Chancen für Investoren.

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