BILD zieht Bilanz: Gesellschaft laut Manifest-Check weiter stark gespalten

Drei Jahre nach der Veröffentlichung ihres Manifests zur Verbesserung des Zusammenlebens sieht BILD Deutschland weiterhin vor großen gesellschaftlichen Problemen. Die Zeitung hat die damals formulierten 50 Regeln einem erneuten Realitätscheck unterzogen und kommt zu dem Schluss, dass sich nur wenig verbessert habe.

Das Manifest war vor drei Jahren unter dem Titel „Deutschland, wir haben ein Problem!“ veröffentlicht worden. Anlass waren unter anderem öffentliche Jubelfeiern über die Massaker der Hamas an rund 1200 Menschen in Israel. BILD wollte mit den Regeln aus ihrer Sicht zentrale Werte einer freien Gesellschaft gegen Hass, Intoleranz und Demokratiefeindlichkeit verteidigen.

Als Zeichen für das angespannte gesellschaftliche Klima führt BILD einen Appell von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) an. Sie warnte davor, abweichende Meinungen vorschnell als extremistisch zu bezeichnen. Zur Demokratie gehöre es auch, Widerspruch auszuhalten, argumentativ zu streiten und aufeinander zuzugehen.

Der Realitätscheck verweist auf zahlreiche Entwicklungen, die aus Sicht der Zeitung gegen die ursprünglichen Regeln stehen. So wurden im vergangenen Jahr 999 Fälle von Menschenhandel und Ausbeutung erfasst. Die Akzeptanz religiöser Vielfalt lag laut dem Vielfaltsbarometer 2025 der Robert-Bosch-Stiftung bei 34 von 100 Punkten. 2019 waren es noch 44 Punkte.

Auch bei Sprache, Respekt und gesellschaftlichem Zusammenhalt sieht BILD Probleme. Rund ein Drittel der 15-jährigen Schülerinnen und Schüler erreichte beim Lesen nicht das PISA-Mindestniveau. Zudem hatten 64 Prozent der Deutschen den Eindruck, der Umgang miteinander sei in den vergangenen drei Jahren unhöflicher geworden. Laut einem Empathie-Report glaubten 83 Prozent, dass die Empathie abnehme; neun von zehn Befragten sahen den Zusammenhalt im Land geschwächt.

Besonders deutlich fällt die Bilanz beim Antisemitismus aus. Für 2025 nennt BILD 8725 antisemitische Vorfälle, ein Anstieg von 79 Prozent gegenüber 2023. Das Bundeskriminalamt registrierte demnach 6548 antisemitische Straftaten. Zudem empfanden 68 Prozent der vom Zentralrat der Juden befragten jüdischen Gemeinden das Leben in Deutschland als unsicherer als vor dem 7. Oktober 2023.

Weitere Beispiele betreffen Angriffe auf Polizei und Politik, queerfeindliche Kriminalität sowie Gewalt bei Demonstrationen. 2025 wurden laut der Darstellung 2377 queerfeindliche Delikte registriert. Gegen Politiker gab es 1289 Fälle von Beleidigung, Verleumdung oder Volksverhetzung. Mehr als 106.000 Polizeibeamte wurden 2024 Opfer von Gewalt.

Daneben verweist der Bericht auch auf Fortschritte. Deutschland habe die Rechte queerer Menschen ausgebaut. Das Selbstbestimmungsgesetz erleichtere den Wechsel von Geschlechtseintrag und Vornamen, außerdem würden Hasskriminalität genauer erfasst sowie Beratungs- und Schutzstrukturen ausgebaut.

Insgesamt kommt BILD dennoch zu dem Ergebnis, dass Deutschland drei Jahre nach dem Manifest nur wenig besser dastehe. Die gesellschaftlichen Spannungen seien weiterhin groß und viele der damals formulierten Grundsätze würden im Alltag nicht ausreichend eingehalten.


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