Vorwürfe gegen Sanitätsregiment: Wehrbeauftragter verlangt umfassende Aufklärung

Bei einem Sanitätsregiment der Bundeswehr in Weißenfels wird wegen mutmaßlicher sexueller Übergriffe ermittelt. Der Wehrbeauftragte des Bundestages, Henning Otte, fordert eine umfassende und transparente Aufklärung der Vorwürfe.

Nach Medienberichten sollen Soldaten des Sanitätsregiments 1 einen Wettbewerb daraus gemacht haben, mit wie vielen weiblichen Angehörigen ihrer Einheit sie Sex haben. Dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ zufolge richten sich die Ermittlungen derzeit gegen zehn Beschuldigte.

Mindestens eines der mutmaßlichen Opfer soll zum Zeitpunkt des Vorfalls minderjährig gewesen sein. Nach den vorliegenden Informationen soll die Betroffene zum Sex gedrängt worden sein. Die Bundeswehr ermittelt demnach außerdem wegen des möglichen Missbrauchs von Betäubungsmitteln, wegen Bedrohung und wegen der Unterdrückung von Beschwerden.

Otte bezeichnete die Vorwürfe als schwerwiegend. Sollten sich Hinweise auf sexuellen Machtmissbrauch, die Ausnutzung dienstlicher Abhängigkeiten oder Drogenmissbrauch bestätigen, müsse dies auch strafrechtliche Konsequenzen haben, erklärte der CDU-Politiker.

Der Wehrbeauftragte warnte zugleich vor möglichen Folgen für die Bundeswehr. Angesichts des erforderlichen Personalaufwuchses müsse die Truppe künftig noch mehr junge Frauen für den Dienst gewinnen. Das könne nur gelingen, wenn Frauen darauf vertrauen könnten, respektiert und vor Übergriffen geschützt zu werden.

Besonders wichtig sei, dass Soldatinnen bei Übergriffen Unterstützung erhielten und Beschwerden ohne Nachteile vorbringen könnten. Die Bundeswehr müsse glaubwürdig für ein sicheres dienstliches Umfeld stehen, so Otte.

Der Wehrbeauftragte verwies außerdem auf eine Dunkelfeldstudie des Zentrums für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. Die Untersuchung zu sexuellem Fehlverhalten in der Bundeswehr soll bis zum Jahresende vorliegen.

Otte befürchtet, dass die Ergebnisse das Vertrauen potenzieller Bewerberinnen in die Bundeswehr zusätzlich beeinträchtigen könnten. Bereits jetzt werde im sogenannten Hellfeld ein deutlicher Anstieg der Meldungen über sexuelle Übergriffe registriert.

Die Vorfälle müssten für Verteidigungsminister Boris Pistorius und Generalinspekteur Carsten Breuer ein klarer Handlungsauftrag sein, mahnte der Wehrbeauftragte. Das Verteidigungsministerium müsse zeitnah konkrete Maßnahmen zum Schutz vor sexuellem Fehlverhalten vorlegen.


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