Schaltsekunde vor dem Aus: Neue Zeitregelung erst ab etwa 3000 nötig

Die Generalkonferenz für Maß und Gewicht (CGPM) hat beschlossen, künftig keine Schaltsekunden mehr einzufügen. Damit wird die bisherige Regel beendet, die koordinierte Weltzeit regelmäßig an die astronomische Zeit anzupassen.

Die Erde rotiert nicht vollkommen gleichmäßig. Ihre Geschwindigkeit verändert sich unter anderem durch die Gezeitenkräfte des Mondes. Sie bremsen die Erdrotation und verlängern den Tag geringfügig. Zugleich kann das Abschmelzen von Gletschern und Polkappen die Rotation beschleunigen.

Da diese verschiedenen Einflüsse die Erdrotation schwer vorhersehbar machen, wurde der Unterschied zwischen Sonnenzeit und internationaler Atomzeit bisher bei Bedarf korrigiert. Zweimal im Jahr, Ende Juni und Ende Dezember, bestand die Möglichkeit, eine zusätzliche Sekunde einzufügen.

Nach 23:59:59 Uhr folgte dann die Zeitangabe 23:59:60, bevor die Uhr auf 0:00 Uhr wechselte. Seit der Einführung der Schaltsekunde im Jahr 1972 wurde sie insgesamt 27-mal genutzt. Die letzte Schaltsekunde gab es zum Jahreswechsel 2016/17.

Für Computersysteme, Datenbanken und Netzwerke können solche Anpassungen jedoch problematisch sein. Weil nicht regelmäßig feststeht, wann eine Schaltsekunde erforderlich wird, müssen viele Systeme manuell darauf vorbereitet werden. Nach den bisherigen Regeln wäre künftig sogar eine negative Schaltsekunde möglich, bei der ein Tag um eine Sekunde kürzer wäre. Darauf sind Computersysteme noch weniger vorbereitet.

Nach dem Beschluss darf die Abweichung zwischen astronomischer Zeit und koordinierter Weltzeit künftig bis zu einer Stunde betragen, bevor eine Anpassung notwendig wird. Im Alltag spielt eine geringfügige Abweichung laut der Generalkonferenz keine Rolle. In vielen Teilen der Welt liegt die Uhrzeit in der jeweiligen Zeitzone ohnehin bereits mehr als eine Stunde von der Sonnenzeit entfernt.

Wie die Zeit später genau angepasst werden soll, wurde noch nicht festgelegt. Möglich wären eine Schaltstunde oder Änderungen an den Zeitzonen. Ein solcher Wechsel könnte sich ähnlich anfühlen wie die Umstellung von Sommer- auf Winterzeit.

Nach dem neuen System wäre nicht mehr alle paar Jahre, sondern höchstens alle paar Jahrhunderte eine Anpassung erforderlich. Die erste Veränderung dieser Art wird voraussichtlich etwa im Jahr 3000 notwendig.


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