Zahl der Suizide in Deutschland steigt deutlich – Experten fordern mehr Prävention

In Deutschland ist die Zahl der Suizide weiter gestiegen. Im vergangenen Jahr nahmen sich 11.334 Menschen das Leben, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das waren 964 Fälle beziehungsweise 9,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre lag die Zahl um 15,6 Prozent höher.

Suizide machten im vergangenen Jahr 1,1 Prozent aller Sterbefälle aus. Damit starben in Deutschland weiterhin mehr Menschen durch Suizid als durch Verkehrsunfälle, Mord, Totschlag und AIDS zusammen.

Seit 2021 nimmt die Zahl der Suizide kontinuierlich zu. Nach Angaben der Statistiker ist der Anstieg in den vergangenen drei Jahren vor allem auf mehr Suizide bei Frauen zurückzuführen. Deren Anteil nahm in diesem Zeitraum um 17,9 Prozent zu. Bei Männern lag der Anstieg bei 5,8 Prozent. Insgesamt waren Männer mit einem Anteil von 69,2 Prozent weiterhin deutlich häufiger betroffen als Frauen mit 30,8 Prozent.

Als einen weiteren Faktor für den Anstieg nennt das vorliegende Material den assistierten Suizid. Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben gab an, 2025 bei 1.287 Menschen Suizidbegleitungen vorgenommen zu haben. Im Vorjahr seien es 1.200 gewesen. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe spricht zudem von einem Anstieg seit 2020 um fast 32 Prozent.

Hintergrund ist eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 2020. Die Karlsruher Richterinnen und Richter stellten demnach fest, dass jeder Mensch ein verfassungsrechtlich geschütztes Recht auf einen selbstbestimmten Tod hat. Zugleich forderte das Gericht die Bundesregierung auf, einen rechtlichen Rahmen für die Suizidbeihilfe zu schaffen. Im Bundestag wird seither über eine Neuregelung beraten.

Auch bei der Suizidprävention gibt es Forderungen nach einem Ausbau der Hilfen. Das Gesundheitsministerium hatte im August einen Referentenentwurf für ein Präventionsgesetz vorgelegt. Vorgesehen sind unter anderem eine Bundesfachstelle für Suizidprävention, eine bundesweit einheitliche Krisendienst-Telefonnummer und Modellvorhaben. Länder und Kommunen sollen beim Aufbau eines flächendeckenden Krisendienstes stärker unterstützt werden.

Kritik richtet sich vor allem gegen die geplante Finanzierung. Für die Bundesfachstelle sieht der Entwurf 1,4 Millionen Euro vor. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz hält diesen Betrag für zu niedrig. Der Deutsche Caritasverband kritisiert zudem, dass Vorschläge für eine dauerhafte Finanzierung der Krisenhilfe fehlen. Außerdem gehe der Entwurf nicht auf die Prävention assistierter Suizide ein und schaffe keine zusätzlichen Plätze in Hospizen und der Palliativversorgung.

Die Zahl der Suizidversuche liegt deutlich höher als die Zahl der Todesfälle. Das Nationale Suizidpräventionsprogramm schätzt, dass jährlich weit über 100.000 Menschen einen Suizidversuch unternehmen. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe geht von etwa 500 Menschen pro Tag aus.

Erste Anlaufstelle kann die Hausärztin oder der Hausarzt sein. Dort können Betroffene an psychologische oder psychiatrische Fachkräfte überwiesen werden. Telefonische Unterstützung bietet das Info-Telefon Depression unter 0800-3344533. Die Telefonseelsorge ist unter 0800-1110111, 0800-1110222 und 116123 sowie per Chat oder E-Mail erreichbar. Für Kinder und Jugendliche gibt es die Nummer gegen Kummer unter 116111.

Bei akuter Lebensgefahr sollte sofort die nächste psychiatrische Klinik aufgesucht oder der Notruf 112 gewählt werden. Die Stiftung Deutsche Depressionshilfe rät Angehörigen und Freunden, Hinweise auf Suizidgedanken ernst zu nehmen und offen nachzufragen. Aussagen wie „Es hat alles gar keinen Sinn mehr“ könnten auf eine ernste Gefährdung hinweisen. Betroffenen könne es helfen, mit einer vertrauten Person über ihre Gedanken zu sprechen.


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