Der Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt sorgt im In- und Ausland für große Aufmerksamkeit. Internationale und deutsche Medien bewerten das Ergebnis als politischen Einschnitt mit möglichen Folgen über das Bundesland hinaus.
Hunderte Journalistinnen und Journalisten waren am Wahlwochenende in Magdeburg akkreditiert. Unter ihnen waren auch Reporter aus den USA, Kanada, China und Taiwan. Die New York Times begleitete die Wahl mit einem Liveblog und schrieb, das Ergebnis habe das politische Establishment erschüttert – unabhängig davon, ob die AfD anschließend an die Regierung komme.
Die französische Zeitung Le Monde sprach von einem historischen Aufstieg der AfD und einem Einbruch der CDU. Das Ergebnis könne zudem die Debatte über einen möglichen Wechsel im Kanzleramt neu beleben. Die italienische La Stampa bezeichnete den Wahlausgang als „Erdbeben, das nicht nur Deutschland erschüttert“.
Nach Einschätzung der italienischen Zeitung stellt der Erfolg der AfD den bisherigen politischen Schutzwall der klassischen Parteien infrage. Eine mögliche Notkoalition, die den Wahlsieger von der Macht fernhalten solle, wäre aus Sicht des Blattes äußerst fragil. Zugleich könne die AfD dadurch die Möglichkeit erhalten, sich als Opfer darzustellen.
Die spanische Zeitung El País sieht das demokratische Lager vor der Aufgabe, seine bisherigen Strategien zu überdenken. Das Kopieren von Positionen rechtsextremer Parteien durch konservative Kräfte habe sich demnach als wirkungslos erwiesen.
Der Spiegel reagierte mit Entsetzen auf den Wahlerfolg. Das Magazin verwies auf die deutsche Geschichte und kritisierte, dass eine Partei, die nach seiner Darstellung keine klare Trennlinie zu Nazideutschland ziehen wolle, im Jahr 2026 eine Wahl deutlich gewonnen habe.
T-Online führte den Erfolg der AfD unter anderem auf eine Frust- und Wechselstimmung, den eigenen Wahlkampf, ihren Spitzenkandidaten Siegmund sowie Fehler der politischen Konkurrenz zurück. Die Süddeutsche Zeitung betonte zugleich, das Ergebnis müsse akzeptiert werden. Nicht hinnehmbar sei jedoch ein von Teilen der AfD im Wahlkampf angekündigter „Systemwechsel“, schrieb die Zeitung mit Blick auf den demokratischen Rechtsstaat.
Das Magazin Cicero erklärte den Wahlausgang auch mit dem Umgang anderer Parteien mit der AfD. Je stärker sie als Partei behandelt worden sei, mit der man sich nicht befassen dürfe, desto größer sei offenbar ihre Unterstützung geworden.
Die Magdeburger Volksstimme hob den dramatischen Absturz der seit 2002 regierenden CDU hervor. Sie verwies auf Kompetenzverluste, eine fehlende geschlossene Mannschaftsleistung und Gegenwind aus Berlin. Die Regierungsbildung in Sachsen-Anhalt werde nun vor allem kompliziert. Der Münchner Merkur schrieb mit Blick auf Friedrich Merz, für den Kanzler gleiche das Ergebnis einer „Hinrichtung“ und werde lange nachhallen.