In Sachsen hat die Polizei neun weitere selbst gebaute Sprengvorrichtungen an Hochspannungstrassen nahe dem Umspannwerk Graustein bei Görlitz entdeckt. Spezialkräfte entschärften die Funde. Nach Angaben des Landeskriminalamts Sachsen und der Generalstaatsanwaltschaft Dresden bestand keine Gefahr für die Bevölkerung.
Die Vorrichtungen wurden nach Hinweisen am Freitag vergangener Woche in der Nähe der Umspannwerke Bärwald und Graustein gefunden. Bis Sonntag waren Einsatzkräfte vor Ort. Insgesamt entdeckte die Polizei in Sachsen 21 solcher Vorrichtungen.
Nach bisherigen Erkenntnissen wurden die Geräte mutmaßlich für Anschläge auf die Stromversorgung aufgestellt. Zu Schäden am Stromnetz kam es in Sachsen nicht. Die Ermittlungen dauern an.
In den vergangenen Tagen waren auch in anderen Bundesländern verdächtige Vorrichtungen und Angriffe auf die Energieinfrastruktur festgestellt worden. Betroffen waren unter anderem Umspannwerke bei Jänschwalde in Brandenburg und Bergheim in Nordrhein-Westfalen. Weitere Funde gab es in Dormagen und Weisweiler.
Nach Angaben von Polizei und Netzbetreibern wurde bei den Angriffen mit pyrotechnischen Geschossen leitfähiges Material in Hochspannungsleitungen geschossen. Dadurch sollten offenbar Kurzschlüsse verursacht werden. In der Umgebung wurden Abschussvorrichtungen entdeckt.
Die Vorfälle in Bergheim und Jänschwalde führten zu Abschaltungen in Kraftwerksblöcken. Die Stromversorgung war nach den vorliegenden Angaben jedoch nicht gefährdet. Die Ermittlungen laufen unter anderem wegen des Verdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage. In Brandenburg wird zudem wegen des Verdachts der Bildung einer Terrorvereinigung ermittelt.
Unterdessen fahnden die Behörden weiter nach einem 48 Jahre alten Mann, der mit den Sabotageaktionen gegen das deutsche Stromnetz in Verbindung gebracht wird. Die Polizei und die Staatsanwaltschaften in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen veröffentlichten dazu einen gemeinsamen Fahndungsaufruf mit zwei Fotos.
Ein Großeinsatz im Hambacher Forst nahe Köln blieb ohne Hinweise auf den Gesuchten. Zuvor hatten Polizisten in dessen Wohnung im nordrhein-westfälischen Gevelsberg Sprengstoff gefunden. In Niederzier durchsuchte ein Spezialeinsatzkommando außerdem einen Lastwagen, der augenscheinlich zu einem Wohnmobil umgebaut worden war. Der Verdächtige wurde dort nicht angetroffen.
Die Generalstaatsanwaltschaft Dresden, das Landeskriminalamt Sachsen und die Polizeidirektion Görlitz bitten die Bevölkerung weiterhin um Unterstützung bei den Ermittlungen.