Das Volkswagen-Werk in Osnabrück soll in den kommenden Jahren zu einem Standort der Verteidigungsindustrie umgebaut werden. Das Land Niedersachsen und der auf Rüstungsprojekte spezialisierte Investor Aurelius übernehmen die Anlage und wollen dort zunächst Komponenten für Luftverteidigungssysteme des israelischen Herstellers Rafael fertigen.
Die Eckpunkte der Vereinbarung seien am Montag festgelegt worden, teilte Volkswagen mit. VW-Chef Oliver Blume bezeichnete den Schritt als wichtige Perspektive für die industrielle Zukunft des Standorts. Nach Angaben der Beteiligten sollen die weiteren Einzelheiten in den kommenden Monaten ausgehandelt werden.
Aurelius soll künftig die Mehrheit an dem Werk halten. Niedersachsen ist als Minderheitseigner vorgesehen. Damit entsteht eine neue Eigentümerstruktur, nachdem ein direkter Verkauf an Rafael wegen Bedenken des VW-Großaktionärs Katar nicht möglich gewesen war.
Rafael ist unter anderem für das israelische Raketenabwehrsystem Iron Dome bekannt. Nach Angaben aus dem Umfeld der Vereinbarung sollen die in Osnabrück geplanten Produkte jedoch vor allem Komponenten für Luftverteidigungssysteme sein. Zudem ist von Militärfahrzeugen die Rede.
Die Zukunft des Werks war offen, nachdem Volkswagen im Dezember 2024 beschlossen hatte, die Produktion des T-Roc-Cabrios im Sommer 2027 auslaufen zu lassen. Anschließend prüfte der Konzern verschiedene Alternativen für den Standort.
In Osnabrück arbeiten derzeit rund 1800 VW-Beschäftigte. Für etwa 1200 von ihnen gebe es eine langfristige Perspektive, erläuterte die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo. Für die übrigen Mitarbeiter werde weiter nach einer Lösung gesucht.
Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies sprach von einer industriellen Chance für Osnabrück. Rafael-Chef Yoav Tourgeman erklärte, Ziel sei eine langfristige industrielle Partnerschaft. Die Technik zum Schutz Deutschlands und Europas solle demnach vollständig in Deutschland produziert werden.
Die IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner betonte zugleich, Volkswagen müsse auch für die verbleibenden Beschäftigten verlässliche Zukunftsperspektiven schaffen.