Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt an diesem Sonntag stößt auch im Ausland auf große Aufmerksamkeit. Internationale Medien sehen in einem möglichen deutlichen Erfolg der AfD einen politischen Einschnitt für Deutschland und stellen zugleich die Folgen für die etablierten Parteien und Bundeskanzler Friedrich Merz heraus.
Umfragen zufolge dürfte die AfD mit deutlichem Abstand stärkste Kraft werden. Offen ist, ob ihr Ergebnis für eine absolute Mehrheit reicht. Sollte die Partei ausreichend stark abschneiden, könnte sie erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg in einem deutschen Bundesland an die Macht gelangen.
Die britische BBC bezeichnet die Abstimmung als eine Wahl, die „die deutsche Geschichte verändern könnte“. Der ebenfalls britische „Guardian“ schreibt, ein Machtwechsel zugunsten der AfD wäre für Merz möglicherweise die bisher größte Katastrophe seiner Amtszeit. Diese sei bereits von zahlreichen Rückschlägen geprägt.
Auch der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund wird in der internationalen Berichterstattung ausführlich beschrieben. Der „Guardian“ hebt seine große Reichweite auf TikTok und seine Popularität bei Anhängern hervor. Siegmund wird dort als 36-jähriges Aushängeschild der Partei bezeichnet.
Der US-Sender CNN wertet die in Umfragen erwartete Zustimmung von 42 Prozent für die AfD als deutliches Signal. Die Partei klopfe damit laut dem Sender „laut an die Tore der Macht“.
Die französische Zeitung „Le Monde“ konzentriert sich auf die möglichen Folgen für die politischen Gegner der AfD. Der erwartete Durchbruch bestätige den Niedergang jener Parteien, die das politische Leben Deutschlands über Jahrzehnte geprägt hätten. Zugleich werde der innere Zusammenhalt der CDU auf die Probe gestellt.
Auch mögliche Folgen für die Regierungsbildung nach der Wahl werden von ausländischen Medien thematisiert. Nach Einschätzung der niederländischen Zeitung „De Telegraaf“ könnte die AfD trotz eines deutlichen Vorsprungs die absolute Mehrheit verfehlen. In diesem Fall wäre sie auf die Zusammenarbeit mit anderen Parteien angewiesen.
Siegmund schließe eine solche Zusammenarbeit laut dem Bericht aus. Er wolle nur regieren, wenn die AfD die absolute Mehrheit erreiche und ihr Wahlprogramm vollständig umsetzen könne. Eine Unterstützung durch die CDU lehnt deren Bundesvorsitzender Friedrich Merz demnach mit Verweis auf den Parteibeschluss gegen eine Kooperation mit der AfD ab.
Als weitere Möglichkeit wird eine Minderheitsregierung unter dem CDU-Spitzenkandidaten Sven Schulze genannt. Dafür bräuchte die CDU allerdings die Unterstützung der Linken. Auch eine Zusammenarbeit mit dieser Partei schließt sie nach Angaben des Berichts grundsätzlich aus.
Die spanische Zeitung „El País“ führt den erwarteten Erfolg der AfD unter anderem auf Unzufriedenheit mit der Lage im Land und auf Enttäuschung über die traditionellen Parteien zurück. Als weitere Faktoren nennt sie migrationspolitische Konflikte und die anhaltende wirtschaftliche Stagnation.