Leopold Ullstein gründete in Berlin einen Verlag, der sich unter seiner Führung und der seiner Söhne zum größten und modernsten Pressehaus Europas entwickelte. Am 6. September jährt sich seine Geburt in Fürth zum 200. Mal.
Ullstein wurde 1826 in Fürth geboren und arbeitete zunächst im Papierbetrieb seines Vaters. 1856 eröffnete er in Berlin eine eigene Papierhandlung. Der jüdische Unternehmer engagierte sich zudem politisch und saß bis 1876 als Vertreter der liberalen Deutschen Fortschrittspartei im Berliner Stadtparlament.
Erst im Alter von 50 Jahren stieg Ullstein in das Zeitungsgeschäft ein. Am 15. Juli 1877 schrieb er seiner Tochter Käthe: „Gestern habe ich nun in der Tat und wirklich einen großen Kauf getan, nämlich eine Zeitung nebst Buchdruckerei.“ Gemeint waren das „Neue Berliner Tageblatt“ und die Druckerei Stahl & Assmann in Berlin.
Wenig später gründete Ullstein den Verlag unter seinem Namen. Zusätzlich übernahm er die kurz zuvor gegründete liberale „Berliner Zeitung“ und ließ das „Neue Berliner Tageblatt“ darin aufgehen. Die Zeitung kritisierte die Politik von Reichskanzler Bismarck scharf. Mehrere Redakteure mussten sich deshalb wegen „Bismarck-Beleidigung“ verantworten.
Ullstein investierte in moderne Druckmaschinen und baute sein Unternehmen weiter aus. Am 1. September 1887 erschien mit der „Berliner Abendpost“ die erste von ihm selbst entwickelte Zeitung. Sie richtete sich an Leser außerhalb Berlins und verbreitete aktuelle Nachrichten aus der Hauptstadt. Viele Beiträge wurden zugleich in der „Berliner Zeitung“ verwendet. Dadurch konnten Kosten gespart und eine für Anzeigenkunden attraktive Reichweite geschaffen werden.
1889 nahm Ullstein seine ältesten Söhne Hans und Louis als Mitgesellschafter auf. Die drei weiteren Söhne folgten später. Kurz vor seinem Tod brachte er die „Berliner Morgenpost“ auf den Weg. Zum Verlag gehörte außerdem die übernommene „Berliner Illustrierte Zeitung“, die später mit einer Auflage von 1,5 Millionen Exemplaren zu einer bedeutenden Publikation des Fotojournalismus wurde.
Als Leopold Ullstein in der Nacht vom 3. auf den 4. Dezember 1899 starb, beschäftigte sein Verlag bereits 1600 Menschen. Begonnen hatte das Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern. Unter der Leitung seiner Söhne, Schwiegersöhne und Enkel wuchs die Zahl der Beschäftigten bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 auf 10.000.
Zum Ullstein-Konzern gehörten unter anderem Buch- und Fachverlage, Frauen- und Modezeitschriften wie „Die Dame“, eine Rundfunkzeitung sowie die Magazine „Querschnitt“, „Uhu“ und „Die grüne Post“. Am 11. September 1928 erschien erstmals das illustrierte Abendblatt „Tempo“. Die Zeitschrift galt als besonders innovativ und wurde Jahrzehnte später in der Serie „Babylon Berlin“ wieder aufgegriffen.
Nach der Machtübernahme der NSDAP verschwand „Tempo“ im August 1933 vom Markt. Das NS-Regime setzte die jüdische Familie Ullstein unter Druck und zwang sie 1934, das Unternehmen weit unter Wert abzugeben. Später wurde der Verlag dem nationalsozialistischen Parteiverlag einverleibt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte die ins Ausland geflüchtete Familie, den Ullstein-Verlag wieder aufzubauen. Der Neuanfang ab 1952 blieb schwierig. 1959 kaufte Axel Springer den traditionsreichen Verlag. Die „Berliner Zeitung“ erscheint heute als „B.Z.“ im Axel-Springer-Verlag. Leopold Ullstein wurde auf dem jüdischen Friedhof an der Schönhauser Allee in Berlin-Prenzlauer Berg beigesetzt.