Der Volkswagen-Aufsichtsrat hat ein umfangreiches Sanierungspaket für den Konzern einstimmig gebilligt. Geplant sind der Abbau von rund 50.000 Arbeitsplätzen, geringere Produktionskapazitäten in Europa und eine deutliche Verkleinerung der Modellpalette. Über die Zukunft von vier deutschen Werken gibt es weiterhin keine endgültige Entscheidung.
Die Werkskapazitäten in Europa sollen jährlich um 500.000 Fahrzeuge sinken. Bis spätestens Juni 2027 will Volkswagen ein Konzept für eine wettbewerbsfähige Produktionsstruktur vorlegen. Für die Standorte Neckarsulm, Zwickau, Emden und Hannover sei ab 2031 bis 2034 keine Folgebelegung garantiert, teilte der Konzern mit. Damit stehen die vier Werke unter erheblichem Druck.
Niedersachsens Ministerpräsident Lies geht davon aus, dass in Deutschland etwa 25.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Werksschließungen stimmte der SPD-Politiker nach eigenen Angaben jedoch nicht zu. Er wolle gemeinsam mit den Beteiligten erreichen, dass in allen deutschen VW-Werken auch in den 2030er-Jahren Autos produziert werden.
Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer betonte, der Aufsichtsrat habe keine Schließung deutscher Werke beschlossen. Hannovers Oberbürgermeister Onay bezeichnete die anhaltende Unsicherheit als „Rückschlag“. Besonders für die Nutzfahrzeugsparte in Hannover sei nicht nachvollziehbar, dass der Standort aus seiner Sicht nicht stärker unterstützt werde.
Volkswagen will von 2027 bis 2031 insgesamt 135 Milliarden Euro investieren. Das ist weniger als ursprünglich vorgesehen. Gleichzeitig soll die Rendite bis 2030 auf neun Prozent steigen. Im ersten Halbjahr 2026 lag sie bei 3,8 Prozent. Das Ziel entspricht einem operativen Ergebnis von rund 31 Milliarden Euro. Über die konkreten Investitionen muss der Aufsichtsrat noch beraten.
Zusätzlich will der Konzern sein Beteiligungsportfolio verkleinern und weitere Unternehmensanteile verkaufen. Zuletzt hatte Volkswagen gut die Hälfte am Schiffsmotorenbauer Everllence an die US-Beteiligungsgesellschaft Bain veräußert.
Auch die Modellpalette soll deutlich schrumpfen. Bis 2035 ist eine Halbierung der Zahl der Modelle vorgesehen. Weniger gefragte Fahrzeuge sollen entfallen. Zudem will Volkswagen die technische Vielfalt verringern und Bauteile häufiger über mehrere Modellreihen hinweg einsetzen. Das soll die Kosten senken.
Bei der Konzernstruktur soll der Vorstand ein Modell für eine „fortentwickelte Entscheidungs- und Konzernstruktur“ entwickeln. Ziel sind klarere Verantwortlichkeiten sowie eine schnellere und effizientere Steuerung. Die IG Metall und der Konzernbetriebsrat erklärten, eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen und der Komponentensparte sei damit vom Tisch.
Wachstum erwartet der Konzern vor allem in Nordamerika. Dort sollen unter anderem ein Pick-up und ein SUV im US-Werk Chattanooga gebaut werden. Das Geschäft in China soll an die veränderten Erwartungen und das Marktwachstum angepasst werden. Fahrzeuge aus chinesischer Produktion sollen zudem in Länder des „globalen Südens“ exportiert werden.
Der Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer bezeichnete den Zukunftsplan als „Light“-Version. Werksschließungen seien nicht beschlossen, aber auch nicht ausgesetzt. Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management warnte zugleich, Einsparungen allein würden Volkswagen nicht retten. Er forderte mehr Investitionen in neue Wachstumsfelder wie autonomes Fahren und Robotik.