Nach zwei mutmaßlichen Sabotageakten an Anlagen der kritischen Infrastruktur wird über zusätzliche Schutzmaßnahmen beraten. Im Mittelpunkt stehen unter anderem Videoüberwachung, Drohnenabwehr und eine klarere Aufgabenteilung zwischen Staat und Betreibern.
Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte im ZDF, die Gesellschaft müsse sich darauf verständigen, welche Maßnahmen Betreiber solcher Anlagen ergreifen dürften. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft forderte Anpassungen beim Datenschutz. Öffentliche Bereiche rund um die Anlagen sollten demnach rechtssicher überwacht werden können.
Zu den Bereichen der kritischen Infrastruktur zählen unter anderem Energie, Wasser, Ernährung und Verkehr. Hessens Innenminister Roman Poseck (CDU) erklärte, die Polizei fahre an sensiblen Einrichtungen inzwischen verstärkt Streife. Für die Sicherung des eigenen Geländes seien grundsätzlich jedoch die Betreiber verantwortlich.
Eine ähnliche Einschätzung vertrat die Deutsche Polizeigewerkschaft. Es fehle nicht an technischen Möglichkeiten, sondern an konsequenten Investitionen, sagte deren Bundesvorsitzender Teggatz. Auch die EU-Kommission in Brüssel erklärte, sie werde die Mitgliedstaaten beim Schutz ihrer alltäglichen Infrastruktur unterstützen.
Der Bundesverband Erneuerbare Energie verlangte zudem ein Backup-System für Notfälle. Präsidentin Heinen-Esser verwies auf Bioenergie, Wasserkraft und Batteriespeicher. Diese könnten im Ernstfall kurzfristig einspringen und Strom bereitstellen.
Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Bundestagsfraktion, Mihalic, warf Bundesinnenminister Dobrindt Versäumnisse vor. Deutschland sei auf Angriffe gegen kritische Infrastruktur nur unzureichend vorbereitet, sagte sie dem „Handelsblatt“. Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums erklärte dagegen, Staat und Wirtschaft arbeiteten eng zusammen. Grundsätzlich seien jedoch die Betreiber für den Schutz ihrer Einrichtungen verantwortlich.
Wegen der beiden Angriffe ermittelt die Polizei. Im Fall des Umspannwerks bei Jänschwalde in Brandenburg wird auch wegen des Verdachts auf Terrorismus ermittelt.
Nach einem weiteren Vorfall im Rheinischen Revier waren fünf Blöcke zweier Kohlekraftwerke vom Netz genommen worden. Drei davon konnten inzwischen wieder in Betrieb gehen.
Die Meldung wurde am 3. September 2026 im Programm Deutschlandfunk veröffentlicht.