Der deutsche Frauenfußball hat einen Rückschlag erlitten: Mit dem VfL Wolfsburg und Eintracht Frankfurt schieden am Mittwoch zwei Bundesligisten in der Qualifikation zur Champions League aus. Wolfsburg unterlag Inter Mailand mit 4:5 im Elfmeterschießen, Frankfurt verlor gegen Paris Saint-Germain mit 1:5 nach Verlängerung.
Damit ist der FC Bayern München der einzige deutsche Verein, der in dieser Saison auf höchstem europäischem Niveau vertreten ist. Wolfsburg und Frankfurt bleiben nur der Women’s Europa Cup, der unterhalb der Champions League angesiedelt ist.
Besonders bitter ist das Ausscheiden für Wolfsburg. Die Frauen von Inter Mailand hatten sich zuvor noch nie für die Königsklasse qualifiziert. Wolfsburg gewann den Wettbewerb dagegen 2013 und 2014. „Jetzt fühlt sich alles erst mal sehr leer an“, sagte VfL-Trainer Stephan Lerch nach dem Spiel.
Die sportlichen Rückschläge fallen in eine Phase, in der die Bundesliga auch zahlreiche namhafte Spielerinnen verliert. Nicole Anyomi wechselte von Eintracht Frankfurt zu den London City Lionesses. Selina Cerci von der TSG Hoffenheim und Lisa Baum aus Leipzig schlossen sich dem FC Arsenal an. Carlotta Wamser verließ Bayer Leverkusen in Richtung Manchester City.
Für Wamser soll Manchester City eine Ablösesumme von 650.000 Euro bezahlt haben. Damit wäre es der bislang teuerste Transfer einer Bundesligaspielerin. Für Lisa Baum sollen 600.000 Euro geflossen sein.
Der Trend zu England besteht im Frauenfußball bereits seit mehreren Jahren. Auch Sjoeke Nüsken, Lea Schüller und Sydney Lohmann wechselten in die Women’s Super League. Die englische Liga gilt als besonders konkurrenzfähig und verfügt über deutlich größere finanzielle Möglichkeiten.
In London spielen dabei auch die Investitionen einzelner Klubs eine wichtige Rolle. Die London City Lionesses wurden von der amerikanischen Unternehmerin Michele Kang gekauft. Der Verein verpflichtete daraufhin unter anderem die mehrmalige Weltfußballerin Alexia Putellas. Brighton & Hove Albion kündigte zudem den Bau eines eigenen Stadions für seine Frauenmannschaft an.
Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland entwickeln sich dadurch zunehmend zu Ausbildungsstandorten. Wolfsburgs Trainer Lerch hatte bereits vor dem Saisonstart davor gewarnt, dass Vereine und Liga ein attraktiveres Umfeld schaffen müssten.
Parallel plant die Frauen-Bundesliga eine strukturelle Neuordnung. Bei einem außerordentlichen DFB-Bundestag am 18. September sollen Satzungsänderungen beschlossen werden, die eine Ausgliederung des Spielbetriebs aus dem Deutschen Fußball-Bund ermöglichen. Die 14 Bundesligisten hatten Ende Juni einstimmig beschlossen, sich vom DFB zu lösen und auch kein Joint Venture mit dem Verband einzugehen.
Umstritten ist außerdem die mögliche Einführung von Playoffs ab der kommenden Saison. Zwölf der 14 Vereine sprachen sich nach Angaben von Union-Präsident Dirk Zingler dafür aus. Der VfL Wolfsburg und der FC Bayern lehnen das Modell ab. Kritiker befürchten, dass am Ende nicht die stärkste Mannschaft deutscher Meister werden könnte.
Auch Bundestrainer Christian Wück und Nationalspielerin Klara Bühl zählen zu den Gegnern. Die Befürworter argumentieren hingegen, Playoffs könnten eine dauerhafte Dominanz des FC Bayern verhindern. Der Beitrag basiert auf einem Bericht der Süddeutschen Zeitung.