Die Ölpreise sind nach neuen gegenseitigen Militärschlägen zwischen den USA und Iran deutlich gestiegen. Ein Barrel der Nordsee-Ölsorte Brent kostete zuletzt 94,38 US-Dollar. Damit lag der Preis mehr als vier Prozent über dem Stand vom Montag.
Auch das US-Rohöl WTI verteuerte sich um gut vier Prozent. Der Preis kletterte erstmals seit Ende Juli wieder über die Marke von 90 Dollar.
Auslöser für den jüngsten Anstieg waren nach Angaben des US-Militärs neue Angriffe auf Iran. Das zuständige US-Militärkommando erklärte, die Attacken seien eine Reaktion auf jüngste Angriffsversuche der iranischen Revolutionswächter gewesen. Diese hätten sich gegen die Handelsschifffahrt in der Straße von Hormus sowie gegen in der Region stationierte US-Soldaten gerichtet.
Bereits am Montag waren die Ölpreise zeitweise um etwa zweieinhalb Prozent gestiegen. Hintergrund waren gegenseitige Militärschläge, durch die der Konflikt zwischen den USA und Iran erneut eskaliert war.
Zusätzliche Unruhe an den Märkten lösten Berichte über Angriffe auf Öltanker aus. Das auf maritime Sicherheit spezialisierte Beratungsunternehmen Marisks meldete, dass zwei Rohöltanker von unbekannten Geschossen getroffen worden seien. Beide Schiffe befanden sich demnach auf der Ausfahrt aus dem Persischen Golf.
Auch die britische Behörde für die Sicherheit der Schifffahrt berichtete von einem weiteren Angriff auf einen Öltanker in der Straße von Hormus. Das Schiff sei während der Ausfahrt aus der Meerenge von Geschossen getroffen worden. Wer dafür verantwortlich war, blieb zunächst unklar.
Die Hoffnungen auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus für den Schiffsverkehr haben dadurch einen Rückschlag erlitten. Rohstoffexperte Carsten Fritsch von der Commerzbank verwies auf die neue Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Konflikts. Bart Melek von der kanadischen Investmentbank TD Securities rechnet eher mit weiter steigenden Rohölpreisen. Es gebe „keine Anzeichen dafür, dass der normale Transit durch die Straße von Hormus in naher Zukunft wieder aufgenommen wird“.
Die Entwicklung schürt zugleich neue Inflationsängste. Nach Einschätzung von Fawad Razaqzada vom Handelshaus Forex.com drohen die höheren Ölpreise die Inflation erneut anzufachen. Dadurch könne das Risiko einer strafferen Geldpolitik steigen. Zusätzlich verunsichere Anleger der anhaltende Anstieg der weltweiten Anleiherenditen, der derzeit mit der Entwicklung der Ölpreise einhergehe.