Das Ziel, die globale Erwärmung dauerhaft auf 1,5 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen, ist nach Einschätzung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) nicht mehr ohne ein zwischenzeitliches Überschreiten erreichbar. Die Marke dürfte bereits in den kommenden Jahren überschritten werden.
Als beste verbleibende Möglichkeit beschreibt UNEP einen Verlauf aus Überschreitung, einem möglichst niedrigen Temperaturhöhepunkt und einem anschließenden Rückgang. Entscheidend sei, wie stark und wie lange die Erwärmung über 1,5 Grad liege. „Wir müssen die Überschreitung so gering und so kurz wie möglich halten“, sagte UN-Generalsekretär António Guterres.
Nach den derzeit umgesetzten Klimaschutzmaßnahmen steuert die Welt laut UNEP auf eine Erwärmung von rund 2,6 Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Selbst unter den günstigsten Bedingungen könnte der Temperaturanstieg zunächst lediglich auf etwa 1,8 Grad begrenzt werden.
Voraussetzung dafür wäre, dass die nationalen Klimapläne vollständig umgesetzt, zusätzliche Netto-Null-Ziele erreicht und die Treibhausgasemissionen schnell und dauerhaft reduziert werden. Die weltweiten CO2-Emissionen steigen dem Bericht zufolge jedoch weiter und erreichten nach der Corona-Pandemie in jedem Jahr neue Höchststände.
UNEP fordert unter anderem einen schnelleren Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle und Öl sowie einen beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien. Außerdem müssten Methanemissionen deutlich sinken. Einen weiteren Schwerpunkt sieht die Organisation im Schutz von Land, Wäldern und Ozeanen.
Soll die globale Durchschnittstemperatur nach einer Überschreitung langfristig wieder unter die 1,5-Grad-Marke sinken, müsste zusätzlich CO2 aus der Atmosphäre entfernt und dauerhaft gespeichert werden. Als mögliche Verfahren nennt UNEP Aufforstung, die Wiederherstellung von Ökosystemen, eine stärkere Kohlenstoffbindung in Böden und technische Lösungen.
Gleichzeitig warnt die Umweltorganisation vor einer wachsenden Lücke zwischen der künftig notwendigen und der tatsächlich möglichen CO2-Entnahme. Greenpeace setzt nach Angaben des Berichts vor allem auf natürliche CO2-Senken. Der Klimaexperte Jannes Stoppel forderte, Wälder, Moore und Böden stärker zu schützen, statt sich vorrangig auf technische Verfahren zu verlassen. Die Entfernung von CO2 könne schnelle Emissionssenkungen nicht ersetzen, sondern müsse Bestandteil eines umfassenden Maßnahmenpakets sein.
Ein vorübergehendes Überschreiten der 1,5-Grad-Grenze birgt nach Einschätzung der UN-Experten erhebliche Risiken. Manche Veränderungen könnten plötzlich eintreten oder sich mit der Zeit verstärken. Nicht alle Folgen wären später umkehrbar.
UNEP nennt häufigere und intensivere Extremwetterereignisse, den Verlust von Ökosystemen sowie eine zunehmende Überflutung kleiner Inselstaaten und tiefliegender Küstenstädte. Auch die Gesundheit, die Ernährungssicherheit, die Wasserversorgung, die Infrastruktur und die Wirtschaft könnten schwer geschädigt werden.
Neben einer stärkeren Begrenzung der Erderwärmung verlangt UNEP deshalb mehr Anstrengungen bei der Anpassung an bereits eintretende Klimafolgen. Dazu zählt etwa ein besserer Schutz der Bevölkerung vor Hitzewellen. Der Aufbau wirksamer Anpassungsmaßnahmen könne Jahrzehnte dauern und müsse früh beginnen.
Im Pariser Klimaabkommen hatte sich die Weltgemeinschaft 2015 darauf verständigt, die Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen und Anstrengungen zu unternehmen, sie auf 1,5 Grad zu beschränken.