Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat beim G20-Finanzministertreffen im US-Bundesstaat North Carolina auf ein gemeinsames Gruppenfoto mit seinem russischen Amtskollegen Anton Siluanow verzichtet. Das offizielle Foto der Teilnehmer wurde am Montag ohne den russischen Minister aufgenommen.
Siluanow war auf Einladung der US-Regierung zu dem Treffen in Asheville angereist. Klingbeil kritisierte seine Teilnahme scharf. „Das Signal, den russischen Finanzminister hier zu empfangen, ist eins, das ich schon als irritierend wahrnehme“, sagte der Vizekanzler.
Angesichts der erneuten russischen Angriffe auf die Ukraine könne man nicht zur Normalität übergehen, erklärte Klingbeil. Er habe sich gewünscht, dass auch von amerikanischer Seite deutlich gemacht werde, dass Siluanow nicht wie ein gewöhnlicher Gast empfangen werde.
Die deutsche Regierung hatte nach Angaben aus dem Umfeld des Treffens zwei Tage vor Klingbeils Abflug erfahren, dass der russische Finanzminister nach Asheville kommen würde. Für Klingbeil stand daraufhin fest, dass er nicht mit Siluanow auf einem gemeinsamen Foto erscheinen wolle.
Bei einer Vorbesprechung mit europäischen Teilnehmern habe er seine Position deutlich gemacht. „Ich habe klargemacht, dass ich mich nicht mit dem russischen Finanzminister auf ein gemeinsames Foto stellen werde“, sagte Klingbeil. Nach Darstellung des Berichts unterstützten die europäischen Vertreter diese Haltung und machten der US-Regierung demnach deutlich, dass sie entweder ein Foto mit dem russischen Minister oder mit den Europäern haben könne.
Der Druck zeigte schließlich Wirkung. Das Gruppenfoto wurde ohne Siluanow aufgenommen. Im Tagungsraum wich Klingbeil seinem russischen Amtskollegen jedoch nicht aus, sondern sprach ihn direkt an. Er habe ihm gesagt, dass die russische Regierung den Krieg beenden müsse und Deutschland klar an der Seite der Ukraine stehe.
Beim G20-Treffen kam es zudem zu einem weiteren Konflikt zwischen Klingbeil und der US-Regierung. Der deutsche Finanzminister kritisierte, dass Journalisten und ganze Redaktionen von der Teilnahme ausgeschlossen worden seien. Ein Vertreter der „New York Times“ reiste dem Bericht zufolge in der deutschen Regierungsmaschine nach Asheville, während seine US-Kollegen keine Akkreditierung erhalten hatten.
Auch ein deutscher Korrespondent bekam seine Akkreditierung demnach erst nach Druck der Bundesregierung. Ein Journalist der Nachrichtenagentur Bloomberg durfte trotz deutscher Intervention nicht auf das Gipfelgelände. Klingbeil bezeichnete den Ausschluss von Journalisten als „inakzeptabel“.