Die afghanische Frauenfußball-Nationalmannschaft ist nach fünf Jahren offiziell von der FIFA anerkannt worden. Damit dürfen die Spielerinnen Afghanistan wieder bei internationalen Spielen und FIFA-Wettbewerben vertreten – obwohl sie weiterhin nicht in ihrem Heimatland trainieren oder spielen können.
Bei einem Trainingslager in Wolfsburg bereitet sich das Team auf die kommenden Aufgaben vor. Auf dem Gelände des VfL Wolfsburg trainieren die Spielerinnen gemeinsam und versuchen, trotz ihrer schwierigen Situation eine Mannschaft zu bilden. Viele von ihnen leben im Exil und sind über mehrere Länder verteilt.
Die Anerkennung durch den Weltfußballverband erfolgte im April. Dafür änderte die FIFA ihre Regularien. Seit der Machtübernahme der Taliban im Jahr 2021 hatten die Spielerinnen und die frühere Kapitänin Khalida Popal um diesen Schritt gekämpft.
„Das war ein riesiger Sieg für uns, ein wunderschöner Moment und einer der Momente, auf die wir am stolzesten sind“, sagte Popal in einem Interview mit der Deutschen Welle. Die Organisation „Girl Power“, die sie gegründet hat, unterstützt die afghanische Nationalmannschaft.
Für Mittelfeldspielerin Maryam Karimi ist die Entscheidung mehr als eine sportrechtliche Formalität. „Ich bin unglaublich stolz darauf, dass wir jetzt offiziell als Nationalmannschaft spielen können“, sagte sie. Karimi lebt seit ihrer Flucht in Portugal. Sie hofft, eines Tages mit dem Team wieder in Afghanistan antreten zu können.
Bis dahin bleibt die Mannschaft ohne festen Spielort in der Heimat. Die Spielerinnen leben unter anderem in England, Italien, Portugal, Deutschland und Australien. Regelmäßiges gemeinsames Training ist deshalb schwierig. Nach Angaben von Karimi seien die Spielerinnen trotz der räumlichen Distanz eng miteinander verbunden.
In Afghanistan selbst kann derzeit keine reguläre Struktur für Frauenfußball aufgebaut werden. Frauen dürfen dort unter der Herrschaft der Taliban keinen Sport treiben. Der afghanische Fußballverband erkennt die Frauen-Nationalmannschaft zudem nicht an. Nachwuchsförderung, finanzielle Mittel und Unterstützung durch den Verband fehlen damit im Land.
Die Zukunft des Teams soll deshalb zunächst außerhalb Afghanistans entstehen. Dabei setzt die Mannschaft auch auf die afghanische Diaspora. Gesucht werden Spielerinnen, die möglicherweise nie in einem afghanischen Verein gespielt haben, aber künftig das Land ihrer Eltern vertreten könnten.
Das Trainingslager in Wolfsburg wurde auf Einladung von Volkswagen und dem VfL Wolfsburg ermöglicht. Popal will mit ihrer Organisation nicht nur geflüchteten Spielerinnen die Rückkehr in den internationalen Fußball ermöglichen. Sie möchte auch langfristig Strukturen schaffen, in denen eine neue Generation afghanischer Fußballerinnen ausgebildet werden kann.
„Wir werden Fußball spielen, um für die Frauen unseres Landes einzustehen“, sagte Popal. Die Spielerinnen wollten auch für jene Frauen in Afghanistan antreten, denen das Fußballspielen verwehrt bleibt. Karimi sieht im Sport eine Möglichkeit, ihre Stimme zu erheben und den Frauen in ihrer Heimat mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.
Popal hofft, dass die heutigen Nationalspielerinnen später selbst Trainerinnen, Leiterinnen von Fußballakademien oder Verantwortliche im afghanischen Fußball werden. „Diese Mädchen sind unsere Zukunft“, sagte sie.