Nach ihrem Sieg bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt beansprucht die AfD eine Regierungsverantwortung. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund erklärte, seine Partei werde ihre Werte und Ziele nicht für eine Koalition aufgeben. Sollte eine Regierungsbildung nicht gelingen, schloss er eine Neuwahl nicht aus.
Siegmund sagte im ZDF, eine Zusammenarbeit könne es nur mit Parteien geben, die den von der AfD angestrebten politischen Wandel mittragen. Koalitionen, die weitgehende Kompromisse erforderten, lehnte er ab. Einen Vorschlag des Bündnisses Sahra Wagenknecht (BSW) für einen überparteilichen Ministerpräsidenten bezeichnete er als „Gewurschtel“.
Der AfD-Spitzenkandidat kündigte zugleich an, seine Partei werde ihren politischen Kurs nicht für ein Regierungsbündnis verändern. Sollte die Regierungsbildung scheitern, könne es nach seinen Worten zu Neuwahlen kommen.
Das BSW zeigte sich unterdessen offen für eine Zusammenarbeit mit der AfD bei einzelnen Sachfragen. Als inhaltliche Gemeinsamkeit nannte BSW-Spitzenkandidat Schulze im Deutschlandfunk unter anderem die Ablehnung der Russland-Sanktionen.
Schulze bekräftigte außerdem, dass sich die BSW-Fraktion in einem dritten Wahlgang zur Wahl des Ministerpräsidenten enthalten werde. Damit würde sie dem AfD-Kandidaten Siegmund zum Sieg verhelfen. Zugleich will das BSW einen überparteilichen Kandidaten für das Amt vorschlagen und zeitnah eine Person aus Sachsen-Anhalt benennen.
Der amtierende Ministerpräsident Schulze von der CDU räumte die Niederlage seiner Partei ein und bezeichnete das Ergebnis als „niederschmetternd“. Er sagte, nun müssten diejenigen, die im Landtag Verantwortung trügen, mit dem Wahlergebnis umgehen und das darin enthaltene Zeichen erkennen. Von Abweichlern in der CDU-Fraktion zugunsten der AfD gehe er nicht aus.
Die Grünen-Spitzenkandidatin Sziborra-Seidlitz erklärte im ARD-Fernsehen, eine mögliche AfD-Regierung mache vielen Menschen Angst. Sie nannte dabei unter anderem Menschen mit Migrationshintergrund, Frauen und die queere Gemeinschaft.
Die SPD-Landesvorsitzende Kleemann sprach von einer schwierigen Situation für die Demokratie. Die Linken-Spitzenkandidatin von Angern bezeichnete den Wahlausgang als schwarzen Tag für Sachsen-Anhalt. Die FDP-Landesvorsitzende Hüskens kündigte nach dem Ausscheiden ihrer Partei aus dem Landtag ihren Rücktritt an.
Die Meldung wurde am 7. September 2026 im Programm des Deutschlandfunks gesendet.