Das starke Abschneiden der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt und der deutliche Rückgang der CDU haben international große Aufmerksamkeit ausgelöst. Medien aus mehreren Ländern berichteten über die ersten Prognosen und bewerteten das Ergebnis als möglichen Wendepunkt für die deutsche Politik.
Die New York Times schrieb, die AfD könne in Sachsen-Anhalt auf den ersten Platz kommen. Damit eröffne sich die Möglichkeit, dass eine Partei der extremen Rechten erstmals seit dem Ende der Nazizeit in einem Teil Deutschlands politische Macht übernehme. Den Zugewinn der AfD führte die Zeitung fast ausschließlich auf Verluste der Christdemokraten zurück.
Auch britische Medien hoben die Dimension des Ergebnisses hervor. Der Telegraph sprach von einem überwältigenden Wahlsieg der migrationskritischen AfD. Die BBC verwies darauf, dass seit dem Zweiten Weltkrieg noch keine Rechts-außen-Partei ein deutsches Bundesland kontrolliert habe. Eine Regierungsbeteiligung auf Landesebene würde unter anderem Zuständigkeiten für Polizei, Bildung und Kultur umfassen.
Die Financial Times bezeichnete die AfD-Prognose als Durchbruch für die Partei und zugleich als schweren Rückschlag für die etablierten politischen Kräfte in Deutschland. Die Times wertete das Ergebnis als „persönliche Demütigung für Friedrich Merz“. Der CDU-Vorsitzende und Bundeskanzler habe den Wahlkampf demnach weitgehend meiden sollen, weil seine persönliche Unbeliebtheit der AfD zusätzlichen Auftrieb geben könnte.
Mehrere Medien nannten konkrete Zahlen aus den ersten Prognosen. Die spanische La Vanguardia berichtete unter Berufung auf das ZDF von 44 Prozent für die AfD und 18,5 Prozent für die CDU. Das portugiesische Blatt Público verwies ebenfalls auf eine AfD-Prognose von 44 Prozent, betonte jedoch, dass daraus noch nicht sicher hervorgehe, ob die Partei das Land tatsächlich regieren könne.
Auch in Tschechien, Belgien, den Niederlanden, Italien, Norwegen, Schweden und Brasilien wurde die Wahl aufgegriffen. Dabei ging es unter anderem um die schwierige Regierungsbildung, die Verluste der CDU und die Frage, ob die AfD erstmals seit 1945 in einem deutschen Bundesland an die Macht gelangen könnte.
Die belgische Zeitung De Tijd bezeichnete das Ergebnis als bestes Abschneiden der AfD seit ihrer Gründung im Jahr 2013. Als Themen des Wahlkampfs nannte sie Migration, Klimaschutz, Energiepreise und die Beziehungen zu Russland. Die niederländische de Volkskrant stellte zudem die politische Zukunft des CDU-Ministerpräsidenten und Spitzenkandidaten Sven Schulze infrage.
Quelle: dpa