Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat die deutsche Beschuldigung Moskaus im Zusammenhang mit einem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle scharf zurückgewiesen. Die Anschuldigung sei „im Großen und Ganzen der Beginn eines echten Krieges“, sagte Lawrow dem russischen Staatsfernsehen.
Anfang August war am Flughafen Leipzig/Halle eine Drohne mit einem Sprengsatz in der Nähe eines ukrainischen Transportflugzeugs entdeckt worden. Zu einer Explosion kam es nicht. Später wurden nach Angaben aus dem vorliegenden Bericht zwei weitere Drohnen gefunden.
Anfang September schrieb die Bundesregierung den versuchten Anschlag Russland zu. Berlin geht demnach davon aus, dass Deutschland wegen seiner Unterstützung für die von Russland angegriffene Ukraine zum Ziel verdeckter Geheimdienstoperationen geworden ist. Der Flughafen in Sachsen gilt als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine.
Lawrow kritisierte die deutsche Zuordnung des Vorfalls. „Da haben sie eine Drohne gefunden. Haben gesagt, dass es eine russische Drohne ist. Geklärt hat das niemand“, sagte der Außenminister. Deutsche Maßnahmen wie die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn und des Kulturinstituts „Russisches Haus“ in Berlin verglich er mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs. Offenbar wollten die Deutschen „wieder Krieg“, wurde Lawrow zitiert.
Bundeskanzler Friedrich Merz widersprach der Darstellung. Die Zuordnung zu Russland sei „sehr klar, unbestreitbar, auch gerichtsfest“, sagte er. Die Bundesregierung habe die Prüfung nach seinen Angaben vier Wochen lang vorgenommen und anschließend eine klare Warnung an Russland ausgesprochen.
Merz erklärte außerdem, der Sprengstoff an der Drohne sei nur durch einen kleinen Zufall nicht gezündet worden. Bei einer Explosion hätte es nach seinen Worten ein „großes Inferno“ geben können.
Unterdessen kündigte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt den Aufbau eines nationalen „Cyberdome“ an. Das System soll laut einem Bericht der „Bild am Sonntag“ aus einem engmaschigen Netz digitaler Sensoren bestehen, die Angriffsversuche von Hackern erkennen und abfangen können.
Zusätzlich sind neue, schnell verlegbare Einheiten vorgesehen. Sie sollen den Luftraum über wichtigen Flughäfen, Bahnhöfen und weiteren strategisch wichtigen Orten sowie über dem Regierungsviertel in Berlin schützen.
Unternehmen der kritischen Infrastruktur sollen außerdem rechtlich die Möglichkeit erhalten, Drohnen selbst abzuwehren. Dazu gehören laut dem Bericht unter anderem Wasserwerke, Stromanbieter und Rüstungsfirmen.