Syrien hat mit der Vernichtung von Überresten des Chemiewaffenprogramms aus der Zeit des früheren Präsidenten Baschar al-Assad begonnen. Ein Team der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) verifizierte dabei die Zerstörung von 42 Bomben.
Nach Angaben der UNO-Beauftragten für Abrüstungsfragen, Izumi Nakamitsu, handelt es sich um die erste derartige Vernichtung in Syrien seit einem Jahrzehnt. Nakamitsu informierte am Donnerstag den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen über den Vorgang.
Die neue syrische Führung hatte im Mai weitere Überreste des früheren Programms entdeckt. Dazu gehörten eine zusätzliche Produktionsstätte, eine bislang nicht bekannte Chemikalie zur Herstellung von Nervengas, leere Munition und zwei Lagerstätten.
Der Assad-Clan hatte über Jahrzehnte ein umfangreiches Chemiewaffenprogramm aufgebaut. Syrien war zwar der Chemiewaffenkonvention beigetreten und hatte die Vernichtung seines Arsenals angekündigt. Untersuchungen kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass syrische Soldaten im Bürgerkrieg weiterhin Sarin, Chlorgas und Senfgas eingesetzt haben. Dabei wurden Tausende Menschen getötet oder verletzt.
Der syrische UNO-Botschafter teilte außerdem mit, dass Syrien die erste Gerichtsverhandlung gegen mutmaßliche Beteiligte an dem Chemiewaffenprogramm vorbereitet. Die Behörden nahmen in diesem Jahr 18 Verdächtige fest. Unter ihnen befinden sich demnach hochrangige Vertreter aus Militär, Politik und Technik.
Nach einem Bericht der „New York Times“ gibt es in Syrien möglicherweise noch mehr als 100 Lagerstätten für Chemiewaffen aus dem Arsenal der Assad-Familie. Die Stützpunkte sollen über das gesamte Land verteilt sein und sich teilweise in Höhlen befinden. Sie wurden demnach sowohl für Forschungszwecke als auch zur Produktion und Lagerung chemischer Waffen genutzt.
Das syrische Chemiewaffenprogramm begann den Angaben zufolge in den 1970er-Jahren. Einige syrische Forscher erlangten ihr Wissen in der DDR. Das Assad-Regime verfügte über Sarin, Chlor- und Senfgas.