Nach dem Angriff auf eine Stromversorgungsanlage im südbrandenburgischen Jänschwalde ist ein Bekennerschreiben aufgetaucht. Die Polizei untersucht derzeit, ob das Schreiben echt ist. Nach Angaben einer Polizeisprecherin kann seine Authentizität bislang weder bestätigt noch ausgeschlossen werden.
Die Ermittler prüfen außerdem Hinweise aus der Bevölkerung. Mehrere Hinweise zu der Tat seien eingegangen und würden derzeit ausgewertet, teilte die Polizei mit. Nach den Tätern wird weiter gefahndet.
Der Einsatz am Umspannwerk in Turnow-Preilack wurde am Vormittag fortgesetzt. Dadurch kam es zu Verkehrsbehinderungen. Die Landesstraße 50 war für mehrere Stunden erneut gesperrt. Am Mittag erklärte die Polizei die Maßnahmen vor Ort für beendet.
Ermittelt wird unter anderem wegen des Verdachts der Bildung einer terroristischen Vereinigung. Die Einsatzkräfte suchen nach weiteren Beweismitteln und untersuchen die Umstände der Sabotage.
Unbekannte hatten am Dienstagmorgen selbst gebaute Flugkörper eingesetzt, die Silvesterraketen ähnelten. Damit wurde leitfähiges Material in Richtung von Höchstspannungsleitungen gelenkt. Bislang wurden mehr als ein Dutzend Vorrichtungen gefunden. Zu einem Stromausfall kam es nach Angaben des Netzbetreibers nicht.
Stunden später wurde auch eine Störung an einem Umspannwerk in Bergheim bei Köln gemeldet. In der Nähe fanden Behörden nach eigenen Angaben ebenfalls Abschussvorrichtungen und Pyrotechnik. Brandenburgs Innenminister Jan Redmann erklärte, die Anzeichen für einen koordinierten Angriff auf die Energieversorgung würden sich verdichten.
Auch Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul hält einen Zusammenhang zwischen den Vorfällen für wahrscheinlich. Er verwies auf mehrere Parallelen zwischen den Angriffen. Einen Hinweis darauf, dass eine ausländische Macht mit geheimdienstlichen Mitteln hinter der Tat stecke, gebe es nach Angaben Redmanns bislang nicht.
Unterdessen wird über Konsequenzen und einen besseren Schutz kritischer Infrastruktur diskutiert. Reul forderte eine Debatte über die Befugnisse der Betreiber. Dabei gehe es etwa um Videoüberwachung und eine mögliche eigene Drohnenabwehr.
Brandenburg kündigte als Reaktion auf die Sabotage ein neues Sicherheitszentrum an. In einem sogenannten „360-Grad-Sicherheitszentrum“ sollen Erkenntnisse von Verfassungsschutz, Polizei sowie Brand- und Katastrophenschutz gebündelt werden. Auch Kommunen und die Koordinierungsstelle im Innenministerium sollen eingebunden werden.
Darüber hinaus will Brandenburg Gesetzesvorhaben zum Schutz kritischer Infrastruktur beschleunigen. Innenminister Redmann kündigte ein sogenanntes Beleihungsgesetz an. Damit könnten Betreiber entsprechender Anlagen den Schutz ihrer Infrastruktur künftig selbst organisieren. Bisher ist dies den Landes- und der Bundespolizei sowie der Bundeswehr vorbehalten.