Entertainer Hape Kerkeling hat die SPD-Bundestagsfraktion bei einer Klausur in Berlin dazu aufgefordert, Intoleranz und Extremismus entschieden entgegenzutreten. Zugleich warnte er davor, geprüften Tatsachen und verfassungsfeindlichen Positionen im Namen der Meinungsfreiheit denselben öffentlichen Raum zu geben.
Die Veranstaltung fand hinter verschlossenen Türen statt. Auszüge aus Kerkelings Rede verbreitete die SPD schriftlich. Der 61-Jährige sprach dabei von einer „Kapitulation der Fakten vor der Lautstärke“ und nahm auch Bezug auf die AfD.
Kerkeling erinnerte an eine Äußerung des früheren AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland aus dem Jahr 2018. Dieser hatte die zwölf Jahre des Nationalsozialismus als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichnet. Kerkeling verwies darauf, dass der Fraktionsvorsitzende „einer bestimmten Partei“ diese Aussage offen ausgesprochen habe.
In seiner Rede erinnerte der Schauspieler die sozialdemokratischen Abgeordneten außerdem an den früheren SPD-Parteivorsitzenden Otto Wels. Wels hatte am 23. März 1933 als einziger Abgeordneter im Reichstag dem Ermächtigungsgesetz der Nationalsozialisten widersprochen.
Kerkeling zitierte dabei Wels’ bekannte Worte: „Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.“ Außerdem verwies er auf dessen Aussage, kein Ermächtigungsgesetz könne die Macht verleihen, unzerstörbare Ideen zu vernichten.
An die SPD-Abgeordneten gerichtet sagte Kerkeling, Wels hätte damals auch schweigen können. Das wäre bequemer gewesen, dennoch habe er es nicht getan. Deshalb stehe man heute nicht an seinem Grab, sondern in seinem Vorbild, erklärte der Entertainer den Angaben zufolge.
Kerkeling hat sich wiederholt zu politischen Themen geäußert. Im April sprach er zum Gedenken an die Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald. Zudem läuft im Internet eine Petition, die seine Wahl zum Bundespräsidenten im kommenden Jahr fordert.