Nach dem versuchten Sprengstoffanschlag am Leipziger Flughafen hat EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas den russischen EU-Gesandten in Brüssel einbestellt. Der Vorfall weise „alle Merkmale von staatlich gefördertem Terrorismus“ auf, sagte Kallas vor einem Treffen der EU-Außenministerinnen und -Außenminister in Irland.
Auch mehrere EU-Mitgliedstaaten bestellten russische Vertreter ein oder kündigten diesen Schritt an. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot erklärte, er habe den russischen Botschafter in Frankreich zum Gespräch gebeten. Finnland und Belgien kündigten ebenfalls entsprechende Maßnahmen an.
Am Abend des 4. August war am Flughafen Leipzig eine mit Sprengstoff beladene Drohne entdeckt worden. In der Nähe befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge. Der Flughafen dient als Umschlagplatz für militärische Hilfslieferungen an die Ukraine.
Die deutsche Bundesregierung machte Russland für den Anschlagsversuch verantwortlich und verhängte Strafmaßnahmen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt sagte, in Leipzig seien Tatmittel verwendet worden, die aus anderen hybriden Operationen Russlands bekannt seien. Dazu zählten unter anderem die Konfiguration der Drohne, verschiedene Bauteile, der Sprengstoff und die Zündtechnik.
Nach Angaben Dobrindts war die Vorbereitung durch ein hohes Maß an technischer Expertise und einen erheblichen organisatorischen Aufwand gekennzeichnet.
Die Bundesregierung kündigte als Reaktion die Schließung des russischen Generalkonsulats in Bonn sowie des als Kulturinstitut gegründeten Russischen Hauses in Berlin an. Die EU-Außenminister wollen über weitere mögliche Sanktionen gegen Russland beraten.
Bundesaußenminister Johann Wadephul kündigte in Irland Vorschläge für zusätzliche Strafmaßnahmen an. In den kommenden Wochen solle daran gearbeitet werden, weitere Personen auf die Sanktionsliste zu setzen. Er gehe davon aus, dass eine große Zahl von Personen betroffen sein werde. Zugleich solle der Druck auf Russland erhöht und die Unterstützung für die Ukraine auf hohem Niveau gehalten werden.
Die abgestimmten Schritte der EU-Staaten sollen nach Wadephul die Geschlossenheit der Europäischen Union zeigen.