Ein japanisches Schloss ist mit Hilfe von rund 4000 Freiwilligen um 80 Meter versetzt worden. Die ungewöhnliche Bauaktion, bei der ein mehrere hundert Tonnen schweres Gebäude an Seilen bewegt wurde, dient einer Glosse als Ausgangspunkt für weitreichende Gedankenspiele.
Das Bauwerk soll an seinem neuen Standort in Ruhe restauriert werden. Für die Glosse ist der erfolgreiche Umzug ein Beispiel dafür, dass Gebäude nicht zwangsläufig für immer an ihrem ursprünglichen Platz bleiben müssen.
Ausgehend von der Redewendung, der menschliche Körper sei ein Tempel, verbindet der Text Beobachtungen zu Abnehmspritzen und Haartransplantationen mit Überlegungen zur Beweglichkeit von Bauwerken. Während der Körper heute vergleichsweise einfach verändert werden könne, sei dies bei steinernen Gebäuden deutlich schwieriger.
Die Glosse überträgt das japanische Beispiel anschließend auf Europa. Gebäude wie das Kolosseum oder der Eiffelturm könnten demnach theoretisch aus dicht bebauten Stadtzentren in Vorstädte gebracht und an ihren früheren Standorten durch Parkplätze oder Haartransplantationszentren ersetzt werden.
Auch größere städtebauliche Verschiebungen werden in dem Text ironisch durchgespielt. So steht die Überlegung im Raum, relevante Teile Berlins auf Lastwagen zu verladen und 479 Kilometer weiter südwestlich in Bonn wieder abzusetzen.
Darüber hinaus befasst sich die Glosse mit Sachsen-Anhalt. Das Bundesland könnte, so die satirische Vorstellung, in Styropor verpackt und in der mongolischen Steppe wieder aufgebaut werden. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass später möglicherweise weitere Bundesländer dorthin gebracht werden müssten.
Politischer Bezugspunkt der Überlegungen ist die AfD. Der Text stellt einen Zusammenhang zu ihrer Entwicklung in den Umfragen in Sachsen-Anhalt und im Westen her. Anlass für die zugespitzten Überlegungen ist eine bevorstehende, als bedrohlich beschriebene Landtagswahl.
Der Beitrag gehört zur Textsorte der Glosse und arbeitet daher mit Übertreibung, Wortspielen und bewusst unrealistischen Vorschlägen. Die zugrunde liegende Nachricht aus Japan bleibt dabei der konkrete Ausgangspunkt: Ein schweres Schloss wurde erfolgreich um 80 Meter verschoben, damit es an seinem neuen Standort restauriert werden kann.