Im Prozess um die Misshandlung einer 33-jährigen Frau in Soest hat der Hauptangeklagte seine Beteiligung an einem Teil der vorgeworfenen Taten eingeräumt. Der 29-jährige Soester hatte eine Beteiligung zuvor bestritten.
Nach Angaben seines Anwalts war der Angeklagte an einigen Taten beteiligt. Bei anderen Geschehnissen sei er nicht in dem Haus gewesen, in dem die Misshandlungen stattgefunden haben sollen.
Grundsätzlich bestätigte der Angeklagte jedoch, dass es zu brutalen Übergriffen gekommen sei. Die Frau soll gequält, geschlagen, sexuell missbraucht und zu menschenverachtenden Handlungen gezwungen worden sein. Der 29-Jährige erklärte, er habe solche Aktionen belustigt beobachtet.
Gleichzeitig stellte er seine eigene Rolle mehrfach relativiert dar und beschuldigte seine damalige Lebensgefährtin, bei den Misshandlungen den aktiveren Part übernommen zu haben. Die Frau war nachträglich festgenommen worden, nachdem neue Videos an die Ermittler übermittelt worden waren.
Auf den Aufnahmen sollen 18 weitere Taten zu sehen sein. Daran sollen auch weitere Personen beteiligt gewesen sein, gegen die bislang keine Anklage erhoben wurde. Die Staatsanwaltschaft plant nach den neuen Erkenntnissen eine zusätzliche Anklage.
Der Hauptangeklagte kündigte im Gericht an, auch einen Teil dieser weiteren Taten zu gestehen, soweit er daran beteiligt gewesen sei.
Die Videos sollen außerdem zeigen, dass offenbar nur einer der beiden minderjährigen angeklagten Brüder an den Taten beteiligt war. Die Staatsanwaltschaft hält ihre Anklage gegen den 17-Jährigen deshalb nicht mehr für gerechtfertigt. Beide Minderjährigen haben zu den Vorwürfen Stellung genommen. Wegen des Jugendschutzes wurde die Öffentlichkeit dabei ausgeschlossen.
Das Opfer soll in der kommenden Woche per Videoschaltung vernommen werden. Nach Angaben der Nebenklageanwältin ist dies wegen einer Erkrankung notwendig. Anwälte und Gericht stimmten dem Vorgehen zu.
In dem Verfahren vor dem Landgericht Arnsberg geht es um wiederholte Übergriffe in einem Reihenhaus in Soest. Die Frau soll über Monate hinweg von vier angeklagten Männern geschlagen, sexuell erniedrigt und gedemütigt worden sein. Zudem soll sie zweimal vergewaltigt und zeitweise mit Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet worden sein.
Im Prozess war auch von sogenanntem Waterboarding die Rede. Der Hauptangeklagte äußerte sich dazu nicht. Der Fall war im vergangenen November bekannt geworden, nachdem ein Anwohner die halbnackt an einem Holzbalken gefesselte Frau auf einem Balkon entdeckt und die Polizei gerufen hatte.

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