Jobwechsel in unsicheren Zeiten: Wann sich der Schritt lohnen kann

Ein Jobwechsel kann auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten der richtige Karriereschritt sein. Entscheidend ist, die eigene Situation zu prüfen und den Wechsel sorgfältig vorzubereiten.

Viele Beschäftigte halten aus Sicherheitsgründen an ihrem bisherigen Arbeitsplatz fest. Dabei kann ein neuer Arbeitgeber frischen Wind, bessere Perspektiven oder ein höheres Gehalt bringen. Georg Scheiber von der Beratungsgesellschaft von Rundstedt in Nürnberg rät dazu, die eigene Stellung im Unternehmen kritisch zu hinterfragen und die beruflichen Zukunftsaussichten zu prüfen.

Wer befürchtet, dass der aktuelle Arbeitsplatz gefährdet ist, sollte sich demnach frühzeitig nach Alternativen umsehen. Ein Wechsel könne dann sinnvoller sein, als die weitere Entwicklung dem Arbeitgeber zu überlassen.

Für einen Wechsel sprechen mehrere Gründe. Arbeitet jemand in einer schwächelnden Branche, kann ein Schritt in einen Wachstumsbereich wie die erneuerbaren Energien langfristig mehr Sicherheit bieten. Ein solcher Branchenwechsel sollte jedoch früh geplant werden. Je nach Ziel können Weiterbildungen oder eine Umschulung notwendig sein.

Auch ein höheres Gehalt kann den Wechsel attraktiv machen. Besonders gute Chancen bestehen, wenn die eigenen Fähigkeiten auf dem Arbeitsmarkt stark gefragt sind. Dazu zählen beispielsweise technische und digitale Kompetenzen in den Bereichen künstliche Intelligenz und Datensicherheit.

Weitere mögliche Vorteile sind ein kürzerer Arbeitsweg, bessere Karrierechancen, passendere Aufgaben oder mehr Möglichkeiten für Homeoffice. Das kann die Vereinbarkeit von Berufs- und Privatleben verbessern und zugleich Zeit und Geld sparen.

Gegen einen Wechsel spricht dagegen, dass neue Beschäftigte bei Stellenstreichungen häufig zuerst betroffen sein können. Zudem gilt in den ersten sechs Monaten beim neuen Arbeitgeber der gesetzliche Kündigungsschutz nicht. Das Arbeitsverhältnis kann in dieser Zeit mit einer Frist von zwei Wochen ohne Angabe von Gründen beendet werden.

Langjährige Beschäftigte haben beim bisherigen Arbeitgeber in der Regel einen höheren Kündigungsschutz. Bei einer zehnjährigen Betriebszugehörigkeit beträgt die gesetzliche Kündigungsfrist beispielsweise vier Monate zum Monatsende, erklärt Kathrin Schulze Zumkley, Fachanwältin für Arbeitsrecht in Gütersloh.

Von einem Wechsel rät Scheiber Beschäftigten ab, die nur noch drei bis fünf Jahre bis zur Rente haben. Passen die fachlichen oder persönlichen Bedingungen im neuen Betrieb nicht, können zusätzlicher Stress und bei einer freiwilligen Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine Sperrzeit beim Arbeitslosengeld I drohen.

Auch der Wechsel von einer unbefristeten in eine befristete Stelle sollte gut überlegt werden. Wer zudem seit Jahren keine Weiterbildung absolviert hat, sollte zunächst die eigenen Kenntnisse aktualisieren und sich erst danach bewerben.

Wer sich trotz der Risiken für einen Wechsel entscheidet, sollte strategisch vorgehen. Dazu gehört, zunächst die eigenen Ziele festzulegen und Unternehmen auszuwählen, die zu den persönlichen Werten und Karrierezielen passen. Vor einer Bewerbung sollten Geschäftsmodell sowie Kunden- und Auftragsstruktur geprüft werden. Unternehmenswebsites, Geschäftsberichte, Arbeitgeber-Bewertungsportale und berufliche Netzwerke können dabei helfen, sich ein genaueres Bild zu machen.


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