Beim G20-Außenministertreffen in Atlanta treten die tiefen Differenzen zwischen den Teilnehmern deutlich zutage. Im Mittelpunkt stehen internationale Krisen, der Ukraine-Konflikt und die Folgen für die Weltwirtschaft. Ein gemeinsamer Durchbruch bei den wichtigsten Streitfragen wird nicht erwartet.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow bekräftigte am Rande des Treffens, dass seine Regierung ihre Haltung im Ukraine-Konflikt nicht verändert habe. Mögliche Gespräche zwischen der Ukraine, den USA und Russland über eine Fortsetzung der Verhandlungen über eine Friedenslösung nahm er zum Anlass für Kritik an den europäischen Staaten.
Die Europäer versuchten, sich in den Friedensverhandlungsprozess einzumischen, sagte Lawrow. Auch zwischen Moskau und Washington gebe es keine Entspannung. In den Beziehungen zu den USA seien bislang keine wirklichen Fortschritte zu erkennen. Mit Blick auf den sogenannten Diesel-Deal rief Lawrow dazu auf, sich keine Illusionen zu machen.
Nach seinen Angaben blieben die Sanktionen gegen Russland in Kraft oder würden verschärft. Zudem würden weiterhin Waffen an die Ukraine geliefert. Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Angriffen auf russische Ziele seien für die Vorbereitung neuer Gespräche nicht hilfreich.
Für zusätzliche Spannungen sorgte die Absage des traditionellen Gruppenfotos. Europäische Vertreter wollten nicht gemeinsam mit Lawrow posieren. Der deutsche Außenminister Johann Wadephul hatte erklärt, es gebe „keine Normalität mit Russland“. Lawrow sprach daraufhin von einem „arroganten Boykott“ und kritisierte eine „Familienfoto-Diplomatie“.
Lawrow bemängelte außerdem die Einladung Polens zu dem Treffen. Die USA hätten Polen ohne vorherige Absprache eingeladen, sagte er laut russischen Nachrichtenagenturen. Polen trage aus seiner Sicht nichts zu dem Treffen bei, zudem sei seine Wirtschaft nicht groß genug für eine Teilnahme.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warf Lawrow vor, bei dem Treffen falsche Darstellungen über den Ukraine-Krieg verbreitet zu haben. Auf die Frage, ob der russische Außenminister Anzeichen für ein Einlenken gezeigt habe, antwortete sie mit „Nein“. Die Taten der russischen Führung sprächen weiterhin eine andere Sprache, sagte Kallas.
Kallas forderte weiteren Druck auf Moskau, insbesondere mit Blick auf eine Waffenruhe im Schwarzen Meer. Nach ihren Angaben waren die Monate Juli, August und September für die Zivilbevölkerung in der Ukraine besonders tödlich.
Wadephul beschrieb die Beratungen trotz kontroverser Diskussionen als sachlich. Die G20 müsse angesichts der kritischen Weltlage alles versuchen, Konflikte und Krisen zu entschärfen. Ein gemeinsames Abschlussstatement wurde bereits vor dem Treffen nicht erwartet. In der letzten Arbeitssitzung soll es um das Thema Versorgungsketten gehen.
Das Treffen in Atlanta gilt als Vorbereitung auf den G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am 14. und 15. Dezember in Miami. Dort werden unter anderem US-Präsident Donald Trump, Bundeskanzler Friedrich Merz, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und Chinas Staatschef Xi Jinping erwartet. Auch der russische Präsident Wladimir Putin wurde eingeladen. Ob er die Einladung annimmt, ist bislang unklar.

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