Experte warnt vor direktem Kontakt zwischen Besuchern und Wölfen

Nach dem schweren Wolfsangriff auf ein achtjähriges Mädchen in einem Wildpark in Brandenburg hält Eckhard Wiesenthal Besuche von Menschen in Wolfsgehegen für problematisch. Der Vorsitzende des Deutschen Wildgehege-Verbandes betont, dass ein Biss nicht zwingend eine spontane Reaktion des Tieres gewesen sein müsse.

Wiesenthal hält eine sogenannte negative Übersprungshandlung für möglich. Dazu könne es etwa durch falsche Bewegungen, Hektik oder Schreie kommen. Auch ein einfaches Hinfallen könne eine solche Reaktion auslösen, sagte der Wildgehege-Experte.

Wäre der Wolf lediglich neugierig gewesen, hätte er nach Einschätzung Wiesenthals vermutlich geschnuppert oder aus dem Spiel heraus eine Scheinattacke gezeigt. Bei einer schwerwiegenden Verletzung habe das Tier jedoch aus bestimmten Gründen anders reagiert.

Der Wolf hatte am Mittwoch in einem Wildpark in Baruth/Mark ein achtjähriges Mädchen angegriffen und schwer verletzt. Nach Angaben der Polizei befand sich das Kind gemeinsam mit zwei weiteren Kindern und einer Mitarbeiterin der Einrichtung in einem Gehege.

Der zuständige Landkreis will den Vorfall aufarbeiten und den Wildpark vor Ort überprüfen.

Wiesenthal, der auch als niedersächsischer Wolfsberater tätig ist, lehnt direkten Kontakt zwischen Besuchern und Wölfen grundsätzlich ab. In einigen Einrichtungen seien solche Kontakte dennoch möglich. Unter Fachleuten gebe es unterschiedliche Einschätzungen zu Sinn und Notwendigkeit dieser Angebote.

Der Experte warnt, dass durch den direkten Kontakt ein falsches Bild von Wölfen entstehen könne. Das Tier bleibe ein Raubtier und müsse mit Respekt betrachtet werden. Fehlende Kenntnisse über sein Verhalten könnten zu Fehlinterpretationen und falschem Verhalten führen, die wiederum eine unerwünschte Reaktion auslösen könnten.

Nach Angaben des Deutschen Wildgehege-Verbandes gibt es in Deutschland rund 80 Einrichtungen, in denen Wölfe gehalten werden. Den größten Anteil machen Grauwölfe mit etwa 300 Tieren aus. Außerdem leben in Deutschland insgesamt rund 130 Polar- und Timberwölfe.

Übergriffe seien in der Regel auf mangelnde Kenntnisse über das Verhalten der Tiere zurückzuführen, sagte Wiesenthal. Sie seien bislang nicht tödlich verlaufen. Der Experte schätzt, dass es in den vergangenen zehn Jahren weniger als zehn solcher Vorfälle gegeben habe. Betroffen seien ausschließlich Mitarbeiter der Einrichtungen gewesen; von Angriffen auf Besucher sei ihm bislang nichts bekannt.


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