Der Autor und Weltenbummler Andreas Altmann beschäftigt sich in seinem neuen Buch „Gebrauchsanweisung für Männer“ mit unterschiedlichen Formen von Männlichkeit. Im Gespräch mit ntv.de spricht der 77-Jährige über freundliche und problematische Männer, veränderte Rollenbilder und die Bedeutung von Empathie.
Altmann beschreibt Männer nicht als grundsätzlich besser oder schlechter – unabhängig davon, in welchem Land oder in welcher Kultur er ihnen begegnet sei. Überall habe er hilfsbereite und großzügige Menschen kennengelernt, aber auch kalte und grausame. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Charakteren seien ebenso vielfältig wie Aussehen, Intelligenz oder Alter.
Nach Einschätzung des Autors wollen die meisten Menschen gut sein und empathisch handeln. Häufig seien sie jedoch von ihren Lebensumständen überfordert. Eine Erziehung, in der Empathie und ein zivilisiertes Miteinander vermittelt würden, könne dazu beitragen, dass Menschen sich entsprechend verhielten. Zugleich könnten auch Menschen aus glücklichen Verhältnissen später etwa an einer Depression erkranken.
Dass Männer in der öffentlichen Wahrnehmung häufig mit Gewalt, Kriegen oder toxischem Verhalten verbunden würden, führt Altmann auch auf die stärkere Aufmerksamkeit für schlechte Nachrichten zurück. Es gebe zwar problematische Männer, aber nicht jeder Mann sei ein Frauenhasser oder strahle ständig etwas Toxisches aus.
Unterschiede sieht Altmann auch im Umgang mit Niederlagen und Enttäuschungen. Männer sprächen seiner Einschätzung nach oft weniger über solche Erfahrungen, gingen seltener zum Arzt und versuchten mitunter, ihren Schmerz zu verdrängen. Manche betäubten ihn in der Kneipe, andere zögen ihre Mitmenschen in das eigene Unglück hinein.
Das männliche Rollenbild befinde sich im Wandel. Männer sollten heute Care-Arbeit übernehmen und sich um Kinder kümmern, zugleich aber häufig weiterhin als verlässliche Stütze gelten. Diese Erwartungen könnten zu Irritationen und Identitätskrisen führen. Viele Männer unterstützten jedoch die Gleichberechtigung, kümmerten sich gerne um ihren Nachwuchs und seien schlicht unauffällig und normal.
Altmann betont, dass Männer ebenso wie Frauen Anspruch auf Respekt und Selbstwert hätten. Das Hinterfragen alter Rollenmuster sei allerdings keine Respektlosigkeit. Vorstellungen, nach denen Männer dominant und Frauen ihnen untergeordnet sein müssten, lehnt er ab.
Auch die eigenen Erfahrungen in der Familie können laut Altmann spätere Beziehungen beeinflussen. Er selbst habe aus einem wenig liebevollen Elternhaus gelernt, welche Form des Zusammenlebens er nicht wiederholen wolle. In einer Beziehung sollte es darum gehen, das Leben des anderen leichter und lebenswerter zu machen.
Als einfache Form der Empathie nennt Altmann einen freundlichen Gruß im Alltag. Ein beiläufiges „Bonjour“ könne Menschen manchmal aus ihrer Abwehr lösen. Freundlichkeit führe zwar nicht immer zur gewünschten Reaktion, gelegentlich öffneten sich Menschen dadurch aber wieder.

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