Die Europäische Union und Kanada wollen ihre Zusammenarbeit deutlich vertiefen. Bei einem Gipfeltreffen in Montréal einigten sich beide Seiten auf eine „immer engere Assoziierung“. Den Vorschlag einer „assoziierten Mitgliedschaft“ Kanadas wollen sie vorerst jedoch nicht weiterverfolgen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte den Sonderstatus für Kanada zuvor ins Gespräch gebracht. Zum Auftakt des Gipfels sagte sie, beide Seiten wollten ihre Beziehungen „auf die höchstmögliche Ebene heben“. Zugleich räumte von der Leyen ein, dass Kanada wegen seiner geografischen Lage kein Vollmitglied der EU werden könne.
Dennoch könne eine Partnerschaft entstehen, die einer Mitgliedschaft näherkomme als alle bisherigen Formen der Zusammenarbeit, erklärte die Kommissionspräsidentin. Bei dem zweitägigen Treffen in Montréal soll nun die Grundlage für diese neue Partnerschaft geschaffen werden.
Mehrere EU-Staats- und Regierungschefs hatten sich gegen die Bezeichnung „assoziierte Mitgliedschaft“ ausgesprochen. Zu den Kritikern zählt auch Bundeskanzler Friedrich Merz. Als Gründe wurden die unklare Bedeutung des geplanten Sonderstatus und eine aus Sicht der Kritiker unzureichende Abstimmung der EU-Kommission mit dem Rat der Mitgliedstaaten genannt.
Problematisch war zudem, dass der Begriff bereits im Zusammenhang mit dem EU-Beitrittsprozess der Ukraine verwendet wird. Kanadas Premierminister Mark Carney hatte erklärt, die Diskussion über den Status seines Landes bereite ihm keine Sorge. Es gehe nicht um „spezifische Namen“ für die neue Allianz. Entscheidend sei vielmehr, welche Auswirkungen sie auf das Leben der Kanadier habe.
An dem Gipfel nehmen neben Carney und von der Leyen auch EU-Ratspräsident António Costa sowie mehrere EU-Kommissare teil. Die Beteiligten wollen ihre Zusammenarbeit unter anderem in den Bereichen Klima, Energie und künstliche Intelligenz ausbauen. Kanada soll außerdem die Teilnahme an bestimmten EU-Programmen ermöglicht werden.
Nach den Worten von der Leyens müssen beide Seiten auch ihre Verwaltungsstrukturen stärker aufeinander abstimmen. Kanada verfügt zudem über große Vorkommen strategisch wichtiger Rohstoffe, die etwa für Batterien und Windkraftanlagen benötigt werden. Europa bezieht diese Rohstoffe derzeit überwiegend aus China.
Die EU und Kanada haben bereits ein Freihandelsabkommen abgeschlossen, das seit Jahren vorläufig in Kraft ist. Es beseitigt die Einfuhrzölle für rund 98 Prozent der Handelswaren. Beide Seiten wollen ihre Beziehungen auch angesichts der Außen- und Zollpolitik der US-Regierung unter Präsident Donald Trump sowie der Wirtschaftsmacht Chinas enger gestalten.

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