Die gesetzlichen Krankenkassen weisen den Vorwurf zurück, dass die Gesundheitsreform der Bundesregierung zu deutlich längeren Wartezeiten auf Arzttermine führen werde. Zugleich werfen sie den Kassenärzten vor, bei den Versicherten Ängste zu schüren.
Stefanie Stoff-Ahnis, Vize-Chefin des Kassen-Spitzenverbandes, sagte dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, die Behauptung einer sinkenden Zahl von Arztterminen wegen schlechterer Bezahlung sei nicht richtig. Die Aussagen verunsicherten Menschen, die auf medizinische Hilfe angewiesen seien, kritisierte sie.
Hintergrund ist ein Streit über die Auswirkungen des Gesundheits-Sparpakets auf die ambulante Versorgung. Kassenärzte-Chef Andreas Gassen hatte gewarnt, gesetzlich Versicherte müssten künftig deutlich länger auf einen Arzttermin warten. Nach seiner Darstellung seien durch die Reform mehr als 50 Millionen Termine gestrichen worden. Dadurch werde sich die Terminnot verschärfen.
Die Krankenkassen betonen dagegen, dass mit dem Sparpaket nicht die Vergütung für ärztliche Leistungen gesenkt werde. Gestrichen würden Zuschläge und Bonuszahlungen für eine besonders schnelle Terminvergabe. Das politische Ziel, mit diesen Extrahonoraren die Wartezeiten zu verkürzen, sei nach Angaben von Stoff-Ahnis nicht erreicht worden. Die Wartezeiten seien vielmehr länger geworden.
Es sei daher nicht zu rechtfertigen, Beitragsgelder für wirkungslose Extrahonorare auszugeben, sagte Stoff-Ahnis. Die Kassen weisen damit den Vorwurf zurück, den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten drohten wegen der Reform generell Honorarkürzungen.
Stoff-Ahnis verwies außerdem auf die Honorarverhandlungen für 2027. Danach soll die Vergütung für ärztliche Leistungen um 2,2 Prozent beziehungsweise eine Milliarde Euro steigen. Unter Einbeziehung der gestrichenen Extrazahlungen würden gesetzlich Versicherte über ihre Krankenkassenbeiträge weiterhin Honorare von rund 50 Milliarden Euro für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte finanzieren.
Nach Angaben des Kassen-Spitzenverbandes erzielen Mediziner aus ihren Praxen im Durchschnitt jährlich einen Reinertrag von deutlich mehr als 200.000 Euro. Dieser Betrag wird vor Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen genannt. Einen Anlass für die Annahme, dass sich daran etwas ändern werde, sieht Stoff-Ahnis nicht.

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