Ukrainischer Politologe sieht im Diesel-Deal einen Bruch mit bisheriger US-Linie

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Der ukrainische Politologe Wolodymyr Fessenko bewertet den Diesel-Deal zwischen US-Präsident Donald Trump und Kremlchef Wladimir Putin als wirtschaftlich wenig bedeutend. Die politische Wirkung sei jedoch gravierend, sagte Fessenko in einem Interview mit ntv.

Die USA bräuchten russischen Diesel eigentlich nicht, erklärte der Experte. Entscheidend sei deshalb nicht das Abkommen selbst, sondern der damit verbundene Kurswechsel. Bislang habe die Regel gegolten, dass Wirtschaftsabkommen mit Moskau erst nach einem Ende des Krieges gegen die Ukraine infrage kämen. Diese Linie gelte nun nicht mehr.

Fessenko bezeichnete den Deal als ein separates Abkommen zulasten der Ukraine. Er schaffe für Kiew ein Dilemma: Stelle die Ukraine ihre Angriffe auf russische Ölanlagen ein, könne dies Russlands Kriegsmaschine zugutekommen. Setze sie die Angriffe fort, drohe eine weitere Verschärfung der Beziehungen zu den USA.

Nach Einschätzung des Politologen versucht Trump zugleich, den Druck auf die Ukraine zu erhöhen und eine Rückkehr russischen Öls und Gases auf den europäischen Markt zu ermöglichen. Die US-Vorschläge zur Beendigung des Krieges seien in diesem Zusammenhang auch als politisches Instrument zu verstehen.

Fessenko sieht zudem die Möglichkeit eines anhaltenden Druckmittels. Die von Russland lieferbaren Diesel-Mengen sollten kontinuierlich steigen. Dadurch könnten die USA dauerhaft einen Anlass erhalten, von der Ukraine ein Ende der Angriffe auf russische Ölanlagen zu verlangen.

Im Verhältnis zwischen Washington und Kiew habe sich die Form des Drucks verändert, sagte Fessenko. Im März und April 2025 sei dieser noch direkt ausgeübt worden. Damals seien Lieferungen von Waffen, Munition und Aufklärungsdaten offiziell gestoppt worden. Nun gehe es eher um punktuelle Maßnahmen, bei denen die USA eine gezielte Einflussnahme nicht offen einräumten.

Als besonders problematisch bezeichnete der Politologe Einschränkungen bei Starshield, dem vom US-Verteidigungsministerium kontrollierten militärischen Ableger von Starlink. Das System werde unter anderem für ukrainische Drohnen genutzt. Auch die verzögerte Lieferung von Patriot-Flugabwehrraketen aus europäischen Beständen stelle ein Problem dar.

Fessenko betonte, dass die Ukraine ihre Beziehungen zu Europa langfristig stärken müsse. Zugleich könne sie es sich nicht leisten, die USA vollständig zu verlieren. Er plädierte daher für taktische Kompromisse, ohne zentrale Interessen aufzugeben. Dazu zählte er den Verzicht auf eine offizielle Anerkennung besetzter Gebiete als russisch und den Erhalt des ukrainischen Verteidigungspotenzials.

Von den geplanten Gesprächen zwischen der Ukraine, Russland und den USA in Abu Dhabi erwartet der Politologe keine schnelle Lösung. Friedensgespräche sollten zwar unterstützt werden, doch Russland habe aus seiner Sicht derzeit keine Absicht, den Krieg bald zu beenden.


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