Ein Präventionstipp der Polizei Bremen zum Thema Vergewaltigung sorgt für Empörung. In den Hinweisen wurde auch die Möglichkeit genannt, sich in einer extremen Bedrohungssituation zu übergeben. Frauenrechtlerinnen und Betroffene sexualisierter Gewalt kritisieren diesen Rat deutlich.
Die Frauenrechtsorganisation „Terre des Femmes“ bezeichnete den Hinweis als ungeeignet. Der Ratschlag könne Betroffenen den Eindruck vermitteln, sie müssten selbst eine Tat verhindern, kritisierte eine Sprecherin der Organisation.
Die Polizei Bremen stellte auf Anfrage klar, dass Erbrechen ausdrücklich keine allgemeine Empfehlung zur Abwehr einer Vergewaltigung sei. Polizeisprecherin Franka Haedke erklärte, die Entrüstung über den einzelnen Hinweis sei nachvollziehbar. Gerade bei einem sensiblen Thema könne ein aus dem Zusammenhang gelöster Tipp irritieren.
Nach Darstellung der Polizei handelt es sich beim Erbrechen lediglich um eine von vielen möglichen Reaktionen in einer extremen Bedrohungssituation. Welche Reaktion tatsächlich helfen könne, lasse sich nicht vorhersagen. Niemand müsse sich auf eine bestimmte Weise verhalten. Die Verantwortung für einen sexuellen Übergriff liege ausschließlich beim Täter.
Wie belastend der Hinweis für Betroffene sein kann, schilderte eine Frau in einem offenen Brief auf Instagram. Sie berichtete nach eigenen Angaben von jahrelanger sexualisierter Gewalt und schrieb, sie habe sich während Vergewaltigungen erbrochen. Dies sei bei ihr keine bewusste Abwehr gewesen, sondern eine unwillkürliche körperliche Reaktion auf die Gewalt.
Auch „Terre des Femmes“ wies darauf hin, dass Betroffene in solchen Situationen möglicherweise nicht bewusst handeln können. Menschen könnten unter Schock geraten und erstarren. Diese Reaktion sei nicht falsch, betonte die Organisation.
In den Präventionsseminaren der Polizei geht es nach deren Angaben vor allem darum, bedrohliche Situationen frühzeitig zu erkennen, Hilfe zu holen und sich selbst zu behaupten. Die Polizei Bremen bietet dafür verschiedene Selbstbehauptungskurse an, darunter „Starkes Auftreten statt starker Fäuste“. Im ersten Halbjahr 2026 nahmen mehr als 1200 Menschen an den Präventionsveranstaltungen teil.
Die Debatte zeigt zugleich die Grenzen solcher Verhaltenstipps. Ob eine betroffene Person schreit, flieht, sich wehrt oder aus Angst erstarrt: Eine Mitschuld an der Tat trägt sie nicht. Die Verantwortung für die Vergewaltigung liegt allein beim Täter.

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