Die Weltwetterorganisation (WMO) warnt vor einem El Niño von möglicherweise beispielloser Stärke. Die Wassertemperaturen im tropischen Pazifik seien in den vergangenen 40 Jahren noch nie so hoch gewesen, sagte WMO-Generalsekretärin Celeste Saulo in Genf.
El Niño ist ein wiederkehrendes Wetterphänomen, das alle paar Jahre auftritt und mehrere Monate anhält. Es verändert starke Meeresströmungen, die das Wetter weltweit beeinflussen. In diesem Jahr begann die Saison besonders früh und heftig.
Fachleute rechnen deshalb mit einem sogenannten Super-El-Niño. Er könnte der stärkste seit Beginn der meteorologischen Aufzeichnungen werden. Der Höhepunkt wird für Herbst und Winter erwartet.
Nach Modellrechnungen könnte die Meerestemperatur im Pazifik von November bis Januar 3,8 Grad Celsius über dem langjährigen Mittel liegen. Die bislang höchste Abweichung habe bei etwa drei Grad gelegen, sagte Saulo. Von einem El Niño wird bereits ab einer Abweichung von 0,5 Grad Celsius über dem Normalwert gesprochen.
Je nach Region drohen unterschiedliche Wetterextreme. Erwartet werden starke Dürren, heftige Regenfälle, Überschwemmungen und besonders große Hitze. In Ostafrika und Teilen Zentralamerikas könnten Dürren auftreten. Das südliche Afrika, Teile Südostasiens, der Nordwesten Nordamerikas sowie die Westküste Südamerikas müssen sich dagegen auf stärkere Regenfälle einstellen.
Auf Europa wirkt sich El Niño nur indirekt aus. Dennoch könnten die Folgen auch hier spürbar werden, etwa durch steigende Preise für Importe aus besonders betroffenen Ländern.
Die Auswirkungen könnten nach Einschätzung des Uno-Nothilfekoordinators Tom Fletcher über die unmittelbar betroffenen Länder hinausreichen. Er warnte vor wirtschaftlichen Schocks für die Weltwirtschaft sowie vor zusätzlichen Konflikten, Vertreibungen und Migration.
Saulo und Fletcher riefen zu raschen Vorbereitungen auf. Staaten, Entwicklungsbanken und internationale Finanzinstitute könnten bereits jetzt Mittel freigeben, damit betroffene Menschen schneller unterstützt werden. El Niño lasse sich nicht verhindern, sagte Fletcher. Die bevorstehenden Herausforderungen müssten jedoch ernst genommen werden.

Schreibe einen Kommentar