Bauzinsen steigen auf höchsten Stand seit der Finanzkrise

Immobilienkredite in Deutschland sind so teuer wie seit 2009 nicht mehr. Die durchschnittliche Verzinsung zehnjähriger Darlehen erreichte nach Angaben des Finanzierungsvermittlers Interhyp knapp 4,5 Prozent.

Damit liegen die Bauzinsen deutlich über den Werten der vergangenen Monate. Im Mai betrug der Durchschnittszins laut Interhyp 3,9 Prozent, im März waren es 3,6 Prozent. Auch das bisherige Zinshoch von Ende 2023 mit rund 4,4 Prozent wurde überschritten.

Als Grund für den jüngsten Anstieg nennt Interhyp insbesondere das Wiederaufflammen des Iran-Kriegs und die damit verbundenen Inflationssorgen. In der Folge erhöhte die Europäische Zentralbank die Leitzinsen, um die Teuerung zu dämpfen. Das wirkt sich auch auf die Bauzinsen aus.

Nach Einschätzung von Interhyp-Vorstandschef Jörg Utecht könnte eine nachhaltige Lösung im Iran-Konflikt den Inflationsdruck und damit auch die Zinsen wieder spürbar senken. Darauf deute derzeit jedoch nur wenig hin.

Für Immobilienkäufer wird die Finanzierung durch den Anstieg deutlich teurer. Bei einer durchschnittlichen Finanzierung bedeute die Entwicklung laut Utecht fast 200 Euro mehr bei der monatlichen Rate. Das führe bei einigen Kundinnen und Kunden zu größerer Zurückhaltung.

Etwas niedrigere Immobilienpreise könnten die höheren Finanzierungskosten nur teilweise ausgleichen. Gleichzeitig seien Verkäufer zunehmend bereit, über den Preis zu verhandeln. Dirk Wohltorf, Präsident des Immobilienverbands Deutschland, erklärte, die im Internet genannten Angebotspreise seien häufig noch Wunschpreise und würden oft nicht in dieser Höhe beurkundet.

Besonders bei Bestandsimmobilien seien Preisabschläge durch Verhandlungen möglich, berichtet Interhyp. Die Makler vermittelten dennoch weniger Kaufverträge als in den vergangenen Jahren. Die Käuferseite sei verunsichert und zurückhaltend.

Die Entwicklung belastet auch den Wohnungsbau. Der Landesverband bayerischer Bauinnungen meldete für Bayern bis Juli 2026 ein Auftragsminus von 3,2 Prozent im Wohnungsbau gegenüber dem bereits schwachen Vorjahr. Im direkten Zwölf-Monats-Vergleich betrug der Rückgang 8,2 Prozent.

Als weitere Hürde gilt fehlendes Eigenkapital. Nach Einschätzung der Landesbausparkasse sind die hohen Erwerbskosten zudem vor allem auf gestiegene Material- und Lohnkosten, hohe Nebenkosten und staatliche Regulierung zurückzuführen.


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