Kegelschnecken: Warum ein scheinbar leeres Gehäuse lebensgefährlich sein kann

Kegelschnecken wirken mit ihren gemusterten Gehäusen wie harmlose Urlaubssouvenirs. Einige Arten sind jedoch hochgiftige Räuber. Ihr Gift kann auch für Menschen lebensgefährlich werden und im schlimmsten Fall eine Lähmung der Atemmuskulatur auslösen.

Besonders tückisch ist, dass sich eine lebende Schnecke tief in ihr Gehäuse zurückziehen kann. Dadurch kann die Schale leer erscheinen. Wer sie aufhebt, kann dennoch von einem Giftzahn getroffen werden. Auch ein Tauchhandschuh bietet keinen sicheren Schutz.

Kegelschnecken aus der Familie der Conidae besitzen hohle Zähnchen mit Widerhaken. Vor dem Angriff wird ein Zahn mit Gift geladen und über ein ausfahrbares Schlundrohr wie eine winzige Harpune in die Beute geschossen.

Je nach Art ernähren sich die Meeresschnecken von Würmern, anderen Schnecken oder Fischen. Fischjagende Arten benötigen besonders schnell wirkende Giftmischungen, damit ihre bewegliche Beute nicht entkommt. Nach dem Stich zieht die Schnecke das gelähmte Opfer heran und verschlingt es.

Das Gift besteht aus biologisch aktiven Peptiden, den sogenannten Conotoxinen. Sie können Ionenkanäle und Rezeptoren beeinflussen und dadurch die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskeln stören.

Bei Menschen sind Schmerzen, Schwellungen und Taubheitsgefühle an der Einstichstelle möglich. Außerdem können Kribbeln, Muskelschwäche sowie Koordinations-, Sprach-, Seh- und Schluckstörungen auftreten. In schweren Fällen kann sich die Lähmung ausbreiten. Wenn die Atemmuskulatur betroffen ist, droht Atemstillstand.

Ein spezifisches Gegengift gibt es nicht. Die Behandlung zielt darauf, Atmung und Kreislauf zu sichern, bis die Wirkung des Giftes nachlässt.

Vergiftungen sind selten. Eine wissenschaftliche Auswertung für den Zeitraum von 1670 bis 2017 erfasste mindestens 141 gemeldete Vergiftungen bei Menschen. 36 davon endeten tödlich. Möglicherweise gingen alle bekannten Todesfälle auf die fischjagende Landkarten-Kegelschnecke (Conus geographus) zurück.

Kegelschnecken leben vor allem in tropischen und subtropischen Meeren. Besonders gefährliche Arten kommen im Indopazifik vor. Die im Mittelmeer lebenden Arten gelten als deutlich weniger gefährlich. Grundsätzlich sollte eine gefundene Kegelschnecke jedoch nicht angefasst und nicht als Souvenir eingesteckt werden.

Der Giftcocktail unterscheidet sich je nach Art. In einer einzelnen Art können laut einem Forschungsbericht des Teams um Heinrich Terlau am damaligen Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin bis zu 200 aktive Bestandteile enthalten sein. Viele dieser Wirkstoffe sind noch nicht vollständig erforscht.

Ein Bestandteil wird bereits medizinisch genutzt: Ziconotid kommt bei starken chronischen Schmerzen zum Einsatz. Weitere Giftstoffe werden auf einen möglichen medizinischen Nutzen untersucht.


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