Oliver Kahn und Jens Lehmann haben in einer „Sky“-Talkshow die aktuelle Situation der deutschen Torhüter diskutiert. Im Mittelpunkt standen Jonas Urbig, Manuel Neuer und die Ausbildung des Nachwuchses.
Bei der Sendung „Triple – der Hagedorn Fußballtalk“ trafen die beiden früheren Torwart-Rivalen aufeinander. Mit am Tisch saßen außerdem Weltmeister Roman Weidenfeller und Gastgeber Riccardo Basile. Kahn und Lehmann hatten sich vor der Heim-WM 2006 einen intensiven Zweikampf um die deutsche Nummer eins geliefert.
Jonas Urbig hatte unter dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp in zwei Länderspielen den Vorzug erhalten. Der 23-Jährige stand beim 2:0 gegen Serbien und beim 0:0 in Griechenland im Tor. Klopp stellte anschließend klar, dass damit kein fester Status als Nummer eins verbunden sei.
Im Verein ist Urbig beim FC Bayern derzeit die Nummer zwei hinter Manuel Neuer. Jens Lehmann bewertet diese Situation kritisch. Neuer traue er weiterhin Leistungen auf höchstem Niveau zu. Einen Torhüter, der in großen Spielen so zuverlässig sei wie Neuer, sehe er derzeit nicht. Urbig sei noch zu unreif und habe ein deutlich geringeres Standing.
Auch nach Fehlern von Neuer beim Spiel in Augsburg sieht Lehmann keinen grundsätzlichen Qualitätsverlust. Für ihn bleibt der Bayern-Torhüter die klare Nummer eins. Die derzeitige Konstellation hält Lehmann dennoch für unglücklich. Urbig werde seiner Einschätzung nach weder beim FC Bayern noch in der Nationalmannschaft auf Dauer die Nummer eins, weil er noch zu jung sei.
Als Ersatzmann sei es zudem schwer, Nationaltorwart zu werden, sagte Lehmann. Wer Fehler machen und daraus lernen wolle, müsse regelmäßig spielen. Das sei nur als Nummer eins möglich.
Auch Kahn äußerte Zweifel daran, ob Urbig die Qualität für die dauerhafte Spitzenposition beim FC Bayern besitzt. Zugleich hob er hervor, dass der junge Torhüter bereits gute Spiele und Länderspiele bestritten habe, ohne etatmäßige Nummer eins zu sein. Das sei außergewöhnlich.
Im Gespräch ging es außerdem um die Zukunft von Manuel Neuer. Kahn wollte ihm keinen konkreten Rat zum Karriereende geben. Eine solche Entscheidung müsse jeder selbst treffen. Zugleich verwies er auf eigene Erfahrungen mit zunehmendem Alter: Der Körper brauche länger zur Regeneration, Fehler könnten häufiger auftreten und die mentale Belastung werde größer.
Kritisch äußerten sich die früheren Torhüter auch über die heutige Ausbildung. Roman Weidenfeller hinterfragte die stärkere Betonung des spielerischen Aufbaus von Torhütern. Es bringe wenig, wenn ein Keeper den Ball gut spiele, ihn aber nicht festhalten könne.
Lehmann sagte, er kenne kaum noch Torhüter, die Bälle tatsächlich fangen würden. Viele würden nur noch abblocken. Kahn bewertete die technische Entwicklung zurückhaltender und bezeichnete Veränderungen als normal. Seit der Generation um Neuer sei jedoch eine Lücke entstanden.
Lehmann machte dafür auch die Torwartakademien verantwortlich. Nach seiner Einschätzung würden dort besonders eigenwillige Spieler aussortiert. Zudem stellte er infrage, welche Weltklasse-Torhüter die heutigen Bundesliga-Trainer hervorgebracht hätten.

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