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September 7, 2026
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Haussperlinge in Berlin stark dezimiert – Ursache weiterhin unklar

Die Zahl der Haussperlinge ist in Berlin seit 2021 nach Angaben des Biologen Jörg Böhner um rund 70 Prozent zurückgegangen. Auch der Naturschutzbund Berlin spricht mit Blick auf die Zählung „Stunde der Gartenvögel“ von einem „freien Fall“ der Spatzenbestände. Warum die Vögel in der Hauptstadt so stark abgenommen haben, ist bislang nicht geklärt.

Der Haussperling zählt eigentlich zu den weltweit häufigsten Wildvögeln. Er kommt auf allen Kontinenten außer der Antarktis vor. In zahlreichen Großstädten sind die Bestände jedoch in den vergangenen Jahren deutlich gesunken. Aus den Zentren von London und Amsterdam sei der Spatz nahezu verschwunden, heißt es im Buch „Der Spatz“ des Evolutionsbiologen Glenn-Peter Sætre. In Norwegen wurde die Art 2021 auf die Rote Liste gefährdeter Arten gesetzt.

Berlin galt lange als Spatzenhauptstadt Deutschlands. Nach Einschätzung von Böhner ging die Zahl der Vögel hier anders als etwa in Hamburg und Köln zunächst nicht zurück. Als möglichen Grund nennt der Vogelkundler die weniger sterile Umgebung der Hauptstadt. Grünflächen würden vergleichsweise selten gemäht, zudem gebe es vielerorts fressbaren Abfall. Geeignete Nistplätze blieben inzwischen dennoch häufig leer. Beim Nabu heißt es, es sei, „als hätten sich die Spatzen in Luft aufgelöst“.

Böhner vermutet, dass eine Seuche den Bestand in Berlin deutlich verringert haben könnte. Als mögliche Erreger nennt er Plasmodien, die Vogelmalaria verursachen. Höhere Temperaturen könnten sowohl die Entwicklung der Erreger als auch die ihrer Überträger, der Stechmücken, begünstigen. Für Menschen ist die Vogelmalaria nach seinen Angaben ungefährlich.

Eine Studie aus London stellte einen Zusammenhang zwischen Plasmodiuminfektionen und den Überlebenschancen von Spatzen fest. In schrumpfenden Beständen waren demnach rund 74 Prozent der Vögel mit Plasmodium relictum infiziert. Bei einer hohen Parasitenbelastung sank ihre Überlebensrate im Winter merklich. Für Berlin gibt es eine solche Untersuchung bislang nicht, sie ist jedoch angedacht.

Als weitere mögliche Faktoren gelten Umweltverschmutzung und der starke Rückgang von Insekten. Brotkrümel und Abfälle reichen den Tieren häufig nicht aus. Fehlen Jungvögeln tierische Proteine, können sie schlechter wachsen und ihre Sterblichkeitsrate kann steigen.

Spatzen leben in sozialen Gruppen. Größere Brutkolonien umfassen laut Böhner oft 20 bis 30 Paare und deren Nachwuchs. Die Vögel sind zudem sehr ortstreu und halten sich meist in einem Umkreis von höchstens einigen Hundert Metern auf. Manche Gruppen bleiben fast ausschließlich in der Nähe einer Würstchenbude oder einer ähnlichen Futterquelle.

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