Die Deutsche-Bank-Tochter DWS hat die Werte ihrer drei offenen Immobilienfonds mehrfach nach unten angepasst. Am stärksten betroffen ist der „Grundbesitz Europa“: Sein Nettoinventarwert sank insgesamt um 7,3 Prozent.
Der Fonds ist mit einem Volumen von 4,6 Milliarden Euro der größte Immobilienfonds der DWS. Beim „Grundbesitz Fokus Deutschland“ wurde der Wert um 5,3 Prozent reduziert, beim „Grundbesitz Global“ um 5,2 Prozent.
Der Nettoinventarwert entspricht dem Wert der Fondsanteile nach Abzug der Verbindlichkeiten. Nach Angaben des Fachportals Finanz-Szene, auf die sich der Bericht stützt, erfolgten die Abwertungen schrittweise und von Monat zu Monat stärker. Die einzelnen Anpassungen seien zwar jeweils gering ausgefallen, hätten sich in der Summe aber deutlich bemerkbar gemacht.
Hintergrund ist die anhaltende Krise bei offenen Immobilienfonds. Viele Anleger zogen Geld aus den Produkten ab. Um die Rückgaben zu bedienen, mussten Fonds Immobilien teilweise mit Verlust verkaufen. Seit Anfang 2026 haben nach Angaben der DWS die Rückgabeverlangen zugenommen, wodurch umfangreiche Verkäufe notwendig geworden seien.
Die Transaktionsmärkte seien weiterhin von begrenzter Liquidität, längeren Vermarktungszeiten und einer starken Verhandlungsposition der Käufer geprägt, teilte die DWS mit. Die Verkehrswerte ihrer Immobilienportfolios stünden im Einklang mit den aktuellen Marktgegebenheiten. Marktnahe Bewertungen sollten sicherstellen, dass ein- und aussteigende Anleger fair behandelt würden.
Die Immobilien der Fonds werden regelmäßig von jeweils zwei unabhängigen Sachverständigen bewertet. In die laufenden Einschätzungen könnten auch Hinweise zu erzielbaren Marktpreisen aus Verkaufsprozessen einfließen. Die DWS hält deshalb weitere Anpassungen der Verkehrswerte für möglich.
Die Probleme treffen eine Anlageklasse, die in Deutschland lange beliebt war. Offene Immobilienfonds investieren das Geld von Privatanlegern vor allem in Büro- und Wohnimmobilien. Während der Nullzinsphase erzielten sie häufig Renditen von zwei bis drei Prozent. Mit den wieder gestiegenen Zinsen auf Staatsanleihen verloren sie jedoch an Attraktivität. Zugleich gerieten die Preise für Büroimmobilien unter Druck.
Zu Jahresbeginn hatten bereits vier kleinere Anbieter ihre offenen Immobilienfonds vollständig geschlossen. Sie nehmen keine Anteile mehr zurück. Anleger können dadurch unter Umständen bis zu drei Jahre auf ihr Geld warten, während die Anbieter ihre Immobilien verkaufen.
Auch zwischen 2022 und 2024 hatten mehrere Fondsgesellschaften, darunter die DWS, die Nettoinventarwerte ihrer Immobilienfonds gesenkt. Bei einem offenen Immobilienfonds von Union Investment war der Wert vor zwei Jahren um 17 Prozent reduziert worden. Die Branche weist seit Jahresbeginn im Durchschnitt zwar noch eine leicht positive Rendite auf. Die Entwicklung bei der DWS zeigt jedoch, dass die Belastungen für offene Immobilienfonds anhalten.