Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt sorgt bei Vertretern von Minderheiten für Besorgnis. Der Dachverband der Migrantenorganisationen in Ostdeutschland warnte vor Ausgrenzung und Rassismus und forderte konkrete politische Antworten.
Viele Menschen erlebten nach dem Wahlergebnis Unsicherheit, teilte der Verband in Halle mit. Menschen mit Migrationsgeschichte seien ein selbstverständlicher Teil Sachsen-Anhalts. Sie lebten und arbeiteten in den Städten und Gemeinden des Landes und engagierten sich in Vereinen und Initiativen.
Der bayerische Imam Benjamin Idriz kritisierte neben der AfD auch die anderen Parteien. Seiner Einschätzung nach sei die AfD unter anderem deshalb so stark geworden, weil vielen Parteien bei den Themen Islam und Migration der Mut zu einem eigenen Kurs fehle. Demokratische Parteien widersprächen der AfD demnach nicht entschieden genug, übernähmen teilweise ihre Rhetorik oder schwiegen aus Sorge vor den Reaktionen.
Die muslimische Juristin und Antidiskriminierungsaktivistin Asmaa El Idrissi rief migrantische Menschen zu einem stärkeren politischen Engagement auf. „Niemand wird uns retten, außer wir selbst“, erklärte sie. Das Wahlergebnis zeige, dass man sich nicht darauf verlassen könne, dass die weiße Mehrheitsgesellschaft die Demokratie ausreichend verteidige.
El Idrissi verwies dabei auf Wahlen und die Gründung von Parteien als wichtige Mittel, um politische Veränderungen zu beeinflussen. Eine wehrhafte Demokratie könne nur entstehen, wenn migrantische Menschen maßgeblich daran beteiligt seien.
Auch aus jüdischen Organisationen kam deutliche Kritik. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Schuster, erklärte, er sei „persönlich entsetzt“ über das Wahlergebnis. Eine als gesichert rechtsextremistisch eingestufte Partei sei in einem deutschen Bundesland nur knapp von einer Alleinregierung entfernt.
Die Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees, Umlauf, zog Parallelen zum Aufstieg der NSDAP. Das Wahlergebnis mache Holocaust-Überlebenden Angst. Die jüdische Funktionärin Charlotte Knobloch sagte, es sei ein Zeichen dafür, dass die demokratische Ordnung in Deutschland nicht mehr funktioniere. Auch das mache ihr Angst.
Die Meldung wurde am 7. September 2026 im Programm des Deutschlandfunks verbreitet.